Ich bin der Meinung, dass...

… der Beschluss der Politik, das Impfangebot auf Zwölf- bis 17-Jährige auszuweiten, kein gutes Signal ist. Die Ständige Impfkommission (STIKO), vermutlich das einzige Gremium in Deutschland, das die Kompetenz hat, solche Entscheidungen zu treffen, wurde dabei außen vorgelassen. Der Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern führt meiner Ansicht nach zu einer weiteren Verunsicherung der Leute und schadet der ohnehin ins Stocken geratenen Impfkampagne in Deutschland. Weiteres Vertrauen geht verloren und es werden sich anstatt mehr immer weniger impfen lassen. Eltern und Hausärzte laufen Sturm. Deren Verband kritisiert, dass ohne die unabhängige STIKO entschieden wurde. Es sei schleierhaft, warum eine Empfehlung des Expertengremiums nicht abgewartet wurde. Die STIKO, die sich von der Politik nicht unter Druck setzen lässt, hat angekündigt, sich zeitnah auf Basis von fundierten Studien äußern zu wollen. Für ich klingt das Ganze nach Wahlkampf. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass über die Impfung von Kindern die Impfquote erhöht und damit die Hedenimmunität erreicht werden soll. Allerdings soll die Impfung von Jugendlichen laut Expertenmeinung zur Herdenimmunität nicht beitragen.
Den Konflikt zwischen Politik und Gesundheitsexperten in die Schulen zu verlagern, wo Kinder sich ohne Einwilligung ihrer Eltern möglicherweise wegen eines Gruppenzwangs impfen lassen, kann gar nicht richtig sein. Es ist Schülerinnen und Schüler eigentlich nicht zumutbar, dass der Streit um Freiheiten für Geimpfte und Ungeimpfte in die Klassenzimmer getragen wird. Da hilft es auch nicht, wenn der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Klaus Holetschek, am Montag sagte, dass man ja lediglich ein Angebot mache: "Es ist keine Impfverpflichtung." Gesundheitsminister Jens Spahn betont, dass es nicht darum gehe, Druck zu machen. Doch genau das tut er. Ebenso falsch ist es, jungen Leuten zuerst in den Impfzentren ein Impfangebot zu machen. Das sollte den Kinder- und Jugendärzten überlassen werden. Die kennen ihre Patienten oft seit Jahren und können sie am besten nach ihren individuellen Bedürfnissen beraten. Um die Impfquote zu erhöhen und die Herdenimmunität zu erreichen, hilft nur Vertrauen. Es sollte vor allem bei denjenigen geworben werden, die sich bislang noch ein wenig distanzieren. So sind die 18- bis 59-Jährigen bei den Geimpften unterrepräsentiert. Wilfried Hub