Ich bin der Meinung, dass...

… es manchmal kaum etwas nützt, wenn man sich hinterher entschuldigt. Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident, hat sich am Samstag beim Besuch in dem vom Hochwasser besonders schwer betroffenen Erftstadt bei Köln total danebenbenommen. Im Fernsehen war zu sehen, wie Laschet im Hintergrund scherzt, feixt und lacht, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nur einige Meter entfernt sichtlich betroffen zu den Menschen spricht. Ganz abgesehen vom respektlosen Verhalten gegenüber dem Staatsoberhaupt, hat Laschet mit seinem ungebührlichen Verhalten die Opfer der Flutkatastrophe verhöhnt. In einer Situation, in der bereits 150 Tote zu beklagen waren und noch nach Opfern gesucht wurde, viele Menschen innerhalb von Minuten ihr Hab und Gut verloren hatten, darf eine solche Entgleisung einfach nicht passieren. Es kann dafür keine Erklärung geben. Das war kein Ausrutscher oder ein kleiner Fauxpas, den man mit einer kurzen Entschuldigung schnell wieder aus der Welt schaffen kann. Die Kritik an Laschet, vor allem in den sozialen Netzwerken reißt nicht ab. Das würdelose Benehmen des CDU-Chefs könnte politische Langzeitfolgen haben.
Gewiss widmet sich Laschet ernsthaft der Bewältigung der schrecklichen Flutkatastrophe. Das ist als Chef der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen schließlich auch sein Job. Doch die todernste Miene und seine salbungsvollen Worte vor den Kameras und Mikrofonen der Fernsehsender, kann ich ihm leider nicht mehr abnehmen. Sollte Laschet wirklich ein solcher Heuchler sein, dem eigentlich alles egal ist, dem es nur um die Macht geht? Als Karnevalist kann sich die rheinische Frohnatur Laschet so einiges erlauben. Herumzualbern während der Bundespräsident der Opfer gedenkt ("Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz"), wird dem Ernst der Lage aber keinesfalls gerecht, um es mal vornehm auszudrücken. Kaum vorstellbar, dass so etwas jemals Angelika Merkel passiert wäre. Man muss sich ernsthaft fragen, ob Laschet das Format hat, die nächste Bundesregierung zu führen. Mir wird angst und bange bei dem Gedanken, dass dieser Mann höchstwahrscheinlich der neue Bundeskanzler sein wird. Entschuldigt hat sich Laschet übrigens nur für "den Eindruck, der entstanden ist", nicht aber für sein empörendes Verhalten. Wilfried Hub