Ich bin der Meinung, dass...

… miteinander zu reden immer besser ist als übereinander. Eine Binsenweisheit, von der jeder weiß, dass sie richtig ist. Dennoch halten wir uns allzu oft nicht daran. Das ist zwar menschlich, führt aber meist zu Ärger und Verdruss. So war es auch beim geplanten Verkauf des Jößnitzer Schlosses, der jetzt aber, nachdem ordentlich miteinander gesprochen worden war, in Harmonie und Einigkeit vollzogen wurde. Der Stadtrat hat dem Verkauf am Dienstag mit 35-Ja-Stimmen bei nur zwei Enthaltungen zugestimmt. Neuer Schlossherr ist Jörg Schmidt, der das Schloss zusammen mit seiner Frau Constanze sanieren und betreiben wird. Das Ehepaar Schmidt, das untern anderem ein Bauunternehmen und einen Bio-Bauernhof mit Hofladen betreibt, ist in Jößnitz hoch angesehen. Es besteht großes Vertrauen, dass das Schloss mit den Schmidts als Eigentümer eine gute Zukunft hat. Das sei eine gute Lösung, betonte in der Sitzung auch Michael Findeisen, der Jößnitzer Ortsvorsteher. Wichtig sei, dass nach der Sanierung die Gaststätte wieder betrieben wird. Außerdem sollen Ferienwohnungen entstehen, informierte Jörg Schmidt die Plauener Stadträte.

 


Groß war die Empörung als im Herbst 2020 im Ortschaftsrat durch ein kleines Versehen bekannt wurde, dass die Stadt den Verkauf des Schlosses plane. Ohne genau zu wissen, um was genau es geht, zogen die Bürger vom Leder. Worte wie "unfassbar" und "unerhört" fielen. Die Jößnitzer kündigten an sich gegen die "Privatisierung von Kulturgütern" wehren zu wollen. Es dürfe nicht sein, dass die Probleme bei den städtischen Finanzen auf dem Rücken der Jößnitzer ausgetragen würden. "Wir werden niemals akzeptieren, dass das Jößnitzer Wahrzeichen weggegeben wird, wetterten die Anwesenden. Den Bürgern, die seit 1990 zusammen mit dem Förderverein in Hunderten Arbeitsstunden mitgeholfen hatten, das Schloss zu sanieren, blute das Herz bei dem Gedanken, dass das Gebäude in fremde Hände gerate. Es gab Verständnis für die schwierige Einnahmesituation der Stadt. Doch sollte man beim Verkauf von Tafelsilber äußerst vorsichtig sein. Nachdem alle Beteiligten miteinander (und nicht nur übereinander) gesprochen haben und mit dem Ehepaar Schmidt ein neuer Eigentümer aus Jößnitz gefunden wurde, sind alle zufrieden. Es sei nie geplant gewesen, etwas über die Köpfe der Jößnitzer hinweg und gegen den Willen des Ortschaftsrates zu tun, betonte der Oberbürgermeister am Dienstag. Das klang glaubwürdig. Wilfried Hub
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