Ich bin der Meinung, dass...

… in Plauen eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Ära zu Ende geht. Nach 21 Jahren leitete Ralf Oberdorfer am Dienstag seine letzte Stadtratssitzung. Die Amtszeit endet am 31. August. Doch die politische Bühne verlässt er nicht. Als Kreisrat des Vogtlandes und FDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag bleibt er an den Schalthebeln der Macht und kann noch viel für seine Heimatstadt bewegen. Wenn auch nicht als Taktgeber. Doch er hat es immer verstanden aus einer vermeintlich schwächeren Position heraus, die Dinge in seinem Sinn voranzutreiben. Da er künftig als Berater von Firmen, Kommunen und Zweckverbänden tätig wird, kann es gut sein, dass wir ihm dann auch in Plauen bei Projekten begegnen werden. Mit 61 ist er noch kein alter Mann und kann dank seiner großen Erfahrung noch in vielen Bereichen helfen und gestalten. Als OB der größten Stadt im Vogtland bewies er Macherqualitäten. Dabei hatte er es nicht immer leicht. Als FDP-Mann hatte Oberdorfer im Stadtrat keine starke Hausmacht. Ohne eindeutige Mehrheit hinter sich, musste er bei jeder Entscheidung sachorientierte Lösungen finden. Meistens hat er die gefunden. Oft auch mit Listigkeit und Bauernschläue. Mal bastelte er sich eine Mehrheit mit dem bürgerlichen Lager, mal konnte er das linke Lager von seinen Ideen überzeugen. Es gab auch Niederlagen. Doch es dauerte meist nicht lange, bis das Thema mit veränderten Details wieder auf die Tagesordnung kam und im zweiten Anlauf durchging.
Als gewiefter Diplomat bewies er ungeahnte Fähigkeiten. Er kann leise und sachte, fast geräuschlos auftreten, beherrscht aber auch das Wortgefecht mit harten Bandagen. Im Meinungsstreit zog er mal das Florett, ein anderes Mal den Säbel. Vermutlich muss man diese Begabung haben, um ein erfolgreicher Oberbürgermeister zu sein. Er überzeugte, überredete oder suchte den Kompromiss. Manchmal drohte er. Zum Beispiel wenn eine Fraktion signalisierte, dem von ihm entworfenen städtischen Haushalt die Zustimmung zu verweigern und er auch mit Kompromissvorschlägen nicht weiterkam. Dann konnte er teils zornig, teils traurig wortgewaltig darstellen, was das für die vielen Plauener Vereine bedeuten könnte, wenn die Stadt freiwillige Leistungen nicht mehr erbringen kann. Das Vereinsleben würde dann quasi stillstehen. Das sei dann aber die Verantwortung des Stadtrates und nicht seine. Meistens bekam er so die Zustimmung. In Oberdorfers Amtszeit hat sich Plauen zu seinem Vorteil verändert. Viele Maßnahmen tragen seine Handschrift. Projekte wie der Ausbau des Freibades Haselbrunn, die Berufsakademie auf dem Schlossberg und die Erschließung der Elsteraue mit dem Umbau des Weisbachschen Hauses zum Spitzenzentrum und dem erst am Dienstag beschlossenen Verkauf der Hempelschen Fabrik sind drei Projekte, die ihm besonders am Herzen lagen. Wegen der zögerlichen Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbegebiete wird seine Verwaltung kritisiert. Wilfried Hub