Ich bin der Meinung, dass...

… nur noch ein weiterer kleiner Fehltritt der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock genügt, damit ihre Partei reagieren muss. Viele bei den Grünen haben längst erkannt, dass es keine gute Idee war, die Kür des Kandidaten bzw. der Kandidatin allein den beiden Parteivorsitzenden zu überlassen. Und sonderlich demokratisch war es auch nicht. Es wäre vermutlich besser gewesen, den Co-Vorsitzenden Robert Harbeck ins Rennen zu schicken. Er ist ein glänzender Redner, hat Regierungserfahrung. Aber elf Wochen vor der Wahl den Spitzenkandidaten austauschen - geht das überhaupt? Doch es könnte sein, dass die Grünen schon bald gar keine andere Wahl mehr haben. Die Partei hängt im Umfragetief fest und die Kandidatin ist nicht in der Lage, sich von der Kritik lösen. Einige Vorwürfe sind gerechtfertigt, andere unfair und ungerecht. Es fehlt ein Befreiungsschlag. Die Ankündigung, die künftigen Auflagen von Baerbocks Buch mit Quellenangaben zu versehen, ist jedenfalls keiner. Die Kritik wird nicht verstummen. Vermutlich hätte sie das Buch gar nicht erst schreiben sollen, um ihr Image aufzuhübschen. Keiner hat sie gezwungen. Man muss kein Buch schreiben, um Kanzlerin zu werden. Am 26. September entscheiden ohnehin die Wähler, welche Partei und welchen Bewerber sie wollen.
In den vergangenen Wochen sah sich die Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock vielen Vorwürfen ausgesetzt: Ungenauigkeiten in ihrem Lebenslauf, nachträglich angegebene Nebeneinkünfte, ein Buch ohne Quellenangaben. Fehler, die einem Politprofi nicht hätten passieren dürfen. Falls keine neuen bekannt werden, sollte jetzt aber auch mal Schluss sein mit dem Kesseltreiben gegen die Politikerin. "Only bad news are good news", heißt es in Journalistenkreisen. Wenn etwas nicht klappt, falsch läuft oder Probleme auftauchen, sorgt es für mehr Aufmerksamkeit als positive Meldungen. Bei Baerbock fällt aber auf, dass mit ihr viel strenger umgegangen wird als mit ihren Mitbewerbern um das Kanzleramt. So schlagen die Plagiatsvorwürfe gegen sie höhere Wellen als etwa die unentschiedene Haltung von CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet zum Thüringer Direktkandidaten Hans-Georg Maaßen oder die Erinnerungslücken von SPD-Politiker Olaf Scholz bei der Aufarbeitung der Cum-Ex-Affäre. In den sozialen Medien rutscht die Kritik an Annalena Baerbock oft auch ins Frauenfeindliche ab. Auf Facebook und Co. wird der Ton immer rabiater. Wilfried Hub