Ich bin der Meinung, dass...

… der erste Wahlgang zur Neuwahl des Plauener Oberbürgermeisters erwartungsgemäß noch kein klares Bild ergab. Steffen Zenner, derzeit Sozialbürgermeister, hat mit 33,5 Prozent der Stimmen zwar das mit Abstand beste Ergebnis erzielt. Doch er kann nicht sicher sein, tatsächlich als Nachfolger von Ralf Oberdorfer ins Rathaus einzuziehen. Zenners Vorsprung könnte sich verringern, wenn andere Kandidaten im zweiten Wahlgang am 4. Juli nicht mehr antreten und Empfehlungen für andere Bewerber abgeben. Chancen auf den Wahlsieg hat auch Silvia Queck-Hänel. Die junge Frau ist neu im Politikgeschäft, kennt Plauen aus dem Effeff und bekam am Sonntag auf Anhieb fast ein Viertel aller Stimmen. Polit-Neuling Lars Buchmann erzielte mit 16,8 Prozent ein sehr gutes Ergebnis. Zieht er zum Beispiel seine Kandidatur zurück und spricht sich für Queck-Hänel aus, könnten die Wählerstimmen umgeschichtet werden. Dann könnte es für Zenner doch noch eng werden. Das ist aber sehr spekulativ. Erstens ist es sehr unwahrscheinlich, dass Buchmann zurückzieht, da er selbst noch Chancen auf einen Wahlsieg im zweiten Wahlgang hat. Und zweitens ist es keineswegs sicher, dass bei einem Rückzug alle Buchmann-Stimmen an Queck-Hänel gehen. Es bleibt spannend in Plauen. Die Wahlbeteiligung war mit 48,4 Prozent schwach. Sie könnte beim zweiten Wahlgang wenn es tatsächlich darum geht, wer neuer OB wird, aber höher ausfallen.
Mit einem deutlich besseren Ergebnis für sich hatte der unabhängige Bewerber Ingo Eckardt gerechnet. "Sehr enttäuschend" kommentierte er seine 8,3 Prozent. Das war zu erwarten, nachdem er beim Nominierungsparteitag seiner Partei als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt gegen Zenner mehr als deutlich durchfiel. Die Leute wählen eben lieber das Original als die Kopie. Dass er beim Parteitag verkündete, ein Kandidat mit CDU-Etikett könne nicht gewinnen, haben ihm eingefleischte CDU-Wähler verübelt. Er wird es schwer haben, die Karriere in seiner Partei fortzusetzen. Sollte Zenner auch im zweiten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinigen, würde die Stelle des Kultur- und Sozialbürgermeisters frei. Das hätte ein durchaus passender Job für den engagierten Eckardt sein können. Thomas Kaden, der für die rechtsextreme Partei "Freie Sachsen" antrat, gab sich mit seinen 7,5 Prozent zufrieden. Da er vor allem auf Stimmen von Sympathisanten der AfD hoffte, ist das Ergebnis enttäuschend. Die AfD hatte bei vergangenen Bundes- und Landtagswahlen deutlich über 25 Prozent der Stimmen bekommen. Achtungserfolge gab es für den FDP-Stadtrat Thomas Haubenreißer (6,5 Prozent) und den parteilosen Andreas Ernstberger (3,9). Dank vielfältiger Corona-Lockerungen ergeben sich für die Kandidaten neue Wahlkampf-Möglichkeiten. Anders als bei den virtuellen Treffen können sie beim Straßenwahlkampf mit den Menschen jetzt richtig ins Gespräch kommen. Wilfried Hub