Ich bin der Meinung, dass...

… sich gewiss noch viele an den streitbaren Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, erinnern können, der als beinharter Verhandlungspartner bei Tarifgesprächen mit der Bahn und als Streikführer immer wieder von sich reden machte. Vor allem 2014 war der Dresdner über Wochen in den Schlagzeilen und fast täglich Top-Thema in den Nachrichtensendungen des Fernsehens. Jetzt müssen sich die Kunden der Bahn wieder auf Streiks einstellen. GDL-Chef Weselsky, der immer noch im Amt ist, erklärte die Tarifverhandlungen für gescheitert und kündigte Arbeitskämpfe an. Der Gewerkschafter wirft der Bahn vor, die Arbeitsbedingungen des Zugpersonals verschlechtern zu wollen und in anderslautenden Aussagen zu lügen. Die Bahn wiederum sagt, die GDL sei nicht gesprächsbereit, obwohl ein Vorschlag mit Einkommenssteigerungen vorgelegt wurde. Die Gewerkschaft verweigere Verhandlungen über Lösungen und beharre auf deutlich höheren Forderungen. So kennen wir den Gewerkschaftsboss. Auch beim Zeitpunkt für Streiks nimmt Weselsky kaum Rücksicht. Der Arbeitskampf trifft den finanziell angeschlagenen Konzern in einem ungünstigen Moment. Nach den Lockerungen der Corona-Regeln nimmt das Geschäft langsam wieder Fahrt auf. Der Bahnvorstand hatte gehofft "dass die GDL einen solidarischen Beitrag leistet".
Im Herbst 2014 wurde Weselsky wegen seiner "Verhandlungstaktik" heftig kritisiert worden. Auch damals war ihm mangelnde Verhandlungsbereitschaft vorgeworfen worden. Proteste hatte es auch wegen seines Bestrebens, den Machtbereich der GDL zu Lasten der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft zu erweitern, gegeben. Kritisiert wurden insbesondere die Streiklänge von 50 Stunden beziehungsweise 61 Stunden und der Streiktermin an einem der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres, an dem in sieben Bundesländern die Herbstferien begannen und in zwei Bundesländern endeten und zudem die offiziellen Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 anstanden. Als eine Boulevardzeitung anlässlich eines viereinhalbtägigen Streiks Weselskys Telefonnummer abdruckte, ließ er sein Telefon auf das von Bahnchef Rüdiger Grube umleiten. Kritisiert wurden damals auch die Medien, die den Gewerkschaftschef als an den Pranger zu stellten. Von einem "unsachlichen Pöbelton" war die Rede. Nach einer anonymen Drohung hatte Weselsky Ende 2014 Polizeischutz beantragt. Wilfried Hub