Ich bin der Meinung, dass...

… das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dem alten und sehr wahrscheinlich auch neuen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff viele Möglichkeiten eröffnet. Viele Dreier-Koalitionen sind möglich, vielleicht sogar zu viele. Seine Optionen lesen sich fast wie eine geplante Weltreise: Kenia und Jamaika sind denkbar, aber auch die sogenannte Deutschland-Koalition. Da die CDU im Verlauf des Wahlabends immer besser wurde und am Ende bei mehr als 37 Prozent landete, ist auch ein Zweier-Bündnis mit der SPD möglich. Früher nannte man das Große Koalition. Aufgrund des mit 8,4 Prozent katastrophal schlechten Abschneidens der Sozialdemokraten verbietet sich dieser Begriff allerdings. Am frühen Wahlabend, da lag die CDU bei knapp 36 Prozent, betonten die bisherigen Partner Grüne und SPD noch, dass sie sehr gerne weiter mitregieren möchten. Doch einer hat am Montag bereits abgewunken. Die Grünen haben sich gegen eine Neuauflage der Kenia-Koalition entschieden. Eine kluge Entscheidung. Nach dem deutlichen Wahlsieg von Haseloff hätten CDU und SPD auch ohne die Grünen eine Mehrheit. Sie werden nicht gebraucht und wären in einer Koalition das überflüssige fünfte Rad am Wagen.
Ein ähnliches Bild würde die von vielen favorisierte sogenannte Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP ergeben. Da würde der FDP die Rolle des verzichtbaren Partners zufallen. Die Liberalen sind wie die Grünen für ein Bündnis ohne die SPD. Jetzt hat der Landesvorstand der CDU die Qual der Wahl. Da sich Ministerpräsident Haseloff ein stabiles Bündnis wünscht, ist eine Koalition von CDU und SPD mit einer Mehrheit von nur einer Stimme ein Wagnis, das er vermutlich nicht eingehen wird. Dazu kommt, dass die CDU fast alle Direktmandate im Land gewinnen konnte und die direkt gewählten Abgeordneten mit stolzgeschwellter Brust und hoch motiviert in den neuen Landtag einziehen werden. Sie zu führen, dürfte nicht ganz einfach werden. Da manche auch schon mal sehr weit rechts geblinkt haben, könnte es auch schwierig werden, die Fraktion zusammenzuhalten. Abtrünnige könnten die Koalition platzen lassen. Es kann gut sein, dass sich am Ende aller Überlegungen Haseloff und die CDU mit der FDP und den Grünen, ausgestattet mit einer satten Mehrheit, nach Jamaika auf den Weg machen. Wilfried Hub