Ich bin der Meinung, dass

… der Streit um Mieten, der bislang lediglich in Berlin tobt, eskalieren und auch auf andere Regionen und Städte Deutschlands übergreifen könnte. Am vergangenen Sonntag gingen in der Hauptstadt Tausende auf die Straße, um gegen rücksichtslose Mieterhöhungen zu demonstrieren. Bei der dramatischen Zuspitzung des Streits kurz vor der Berlin-Wahl im September stehen sich Mieter und Vermieter unversöhnlich und aggressiv gegenüber. Es geht um nicht weniger als bezahlbaren Wohnraum. In keiner anderen Metropole sind die Mieten so hoch wie in der Hauptstadt. Lange Zeit waren sie moderat, Wohnraum so günstig wie kaum irgendwo. Wegen der enormen Nachfrage sind die Mieten in kurzer Zeit drastisch gestiegen. Zugleich wird in Berlin so wenig verdient wie in kaum einer anderen Großstadt. Das musste früher oder später zum Konflikt führen. Der Versuch, die Kostenexplosion bei den Mieten zu stoppen, ist gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht hat den vom Senat beschlossenen Mietendeckel kassiert. Befeuert wird der Konflikt von der Fusions-Ankündigung der beiden größten deutschen Wohnungsunternehmen. Der neue Konzern würde allein in Berlin rund 150.000 Wohnungen besitzen. Doch die beiden Giganten auf dem Wohnungsmarkt, "Vonovia" und "Deutsche Wohnen", geben sich kompromissbereit und wohlwollend. Zwei böse Wölfe im Schafspelz?

 


Die Mieten würden in den kommenden drei Jahren nur um ein Prozent steigen, kündigten die Unternehmen an. 20.000 Wohnungen sollen an die Stadt verkauft, 13.000 Wohnungen neu gebaut werden, davon ein Drittel Sozialwohnungen. Ob es mit der Ankündigung gelingt, den Streit beizulegen, ist fraglich. Zu viele Fragen bleiben offen. Die Mieten könnten über Modernisierungskosten weiter kräftig steigen. Es ist klar, dass das Friedensangebot ganz bestimmt nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit gemacht wurde. Es ist pure Angst, die die Konzerne umtreibt. Die Forderung nach Enteignung steht im Raum. Viele wollen einen Volksentscheid dazu schon im Herbst. Für die beiden Unternehmen wäre das der Super-GAU. Den gilt es mit einem Interessenausgleich zwischen Vermietern und Mietern zu verhindern. Doch der Senat sollte sich hüten, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es gibt viele Berliner, die sich in Zeiten niedriger Preise Eigentumswohnungen für die Altersversorgung zugelegt haben. Ihnen dürfen keine Nachteile entstehen. Wilfried Hub
www.vogtland-anzeiger.de