Ich bin der Meinung, dass...

die Grünen schon vor der Wahl im September Sieger sind. Grüne Themen stehen bei allen Parteien auf der Tagesordnung und im Wahlprogramm. Das ist gut so und das eigentliche Verdienst der Umweltpartei. Sie hat unser Bewusstsein verändert. Keine Partei kann es sich heute mehr erlauben, nicht grün zu sein. Umwelt- und Naturschutz waren noch nie so wichtig. Der Partei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist der große Wurf, nämlich der komplette Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, noch nicht gelungen. Diesen radikalen Wandel braucht es vielleicht auch gar nicht. Es ist die Vielzahl von kleinen Veränderungen, die die Welt erneuert und verbessert. Große Umgestaltungen brauchen Zeit und sind politisch oft nicht durchsetzbar. Sie zu erzwingen, kann zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Kleinere Maßnahmen sind zwar leider oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch in Summe entfaltet auch das eine große Wirkung. Ich denke dabei zum Beispiel an die erst vor wenigen Tagen verabschiedete Mehrwegpflicht. Oder das Verbot von Plastiktüten, das Ende vergangenen Jahres von der Öffentlichkeit und den Medien weitgehend unbemerkt im Bundestag beschlossen wurde.
Restaurants, Imbisse und Cafés müssen ihren Kunden beim Straßenverkauf künftig neben Einwegverpackungen auch alternativ eine Mehrwegvariante anbieten. Leider soll die Verpflichtung erst ab 2023 gelten und für kleinere Gastronomiebetriebe, die maximal 80 Quadratmeter groß sind und nicht mehr als fünf Beschäftigte haben, soll es Ausnahmen geben. Gleichzeitig erweiterte der Bundestag die Pfandpflicht auf alle Einwegplastikflaschen und Getränkedosen. Leider gibt es noch immer Getränke - etwa Fruchtsäfte ohne Kohlensäure - auf deren Verpackung kein Pfand erhoben wird. Derartige Ausnahmeregelungen fallen ab 2022 aber weg. Auch das Verbot von Plastiktüten war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn wir ernsthaft wollen, dass weniger Plastik im Meer und in der Natur landet, müssen wir endlich mit der Vermeidung von Abfällen beginnen, insbesondere von Verpackungsmüll. Mülltrennung ist für viele längst eine Selbstverständlichkeit und Recycling längst kein Fremdwort mehr. Trotzdem werden die Verpackungsberge immer größer. Es geht um Mehrfachverpackungen und Umverpackungen von Kosmetikdosen oder -tuben, Mogelverpackungen, die mehr Inhalt vortäuschen, Außer-Haus-Verpackungen und aufwändige Verpackungen, die nur der besseren Vermarktung dienen. Wilfried Hub