Ich bin der Meinung, dass...

… es richtig und längst überfällig war, in Plauen ein klares Bekenntnis für die Kultur abzulegen. Mit der Entscheidung den Kulturraum Vogtland-Zwickau nicht zu verlassen, setzte der Stadtrat am Dienstag ein deutliches Zeichen - nicht nur für unser Theater, sondern auch für die kleineren Kultureinrichtungen und die vielen kulturell tätigen Vereine. Vielleicht war es die Protestaktion vor der Festhalle, in der der Stadtrat tagte, die am Ende den Ausschlag gab. Etliche Räte, die noch vor einigen Wochen bei der Etatberatung für den Austritt Plauens aus dem Kulturraum stimmten, änderten ihre Meinung. 21 stimmten für den Verbleib. Die Grünen und die FDP stimmten zusammen mit der AfD und dem 3. Weg erneut für den Austritt. Ich bin gespannt, ob sich daraus wieder ein bundesweiter Skandal entwickelt wie nach dem Abstimmungsverhalten der CDU, die kürzlich bei einem anderen Thema zusammen mit den Rechten im Stadtrat votiert hatte. Es ging um einen Zuschuss von 8000 Euro an das Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage, der mit den Stimmen von CDU, AfD und des rechtsextremen 3. Wegs abgelehnt wurde. Die CDU meinte, das Geld sollte für andere Demokratieprojekte verwendet werden. Heftig kritisiert wurde die CDU damals vor allem von den Grünen.
Die CDU war von Anfang an für den Verbleib im Kulturraum, jetzt gab es Zustimmung auch von der SPD und den Linken. Plauen kann künftig weiter mitreden und mitentscheiden. Bei einem Austritt hätte die Stadt ihr Stimmrecht im Zweckverband verloren, in den der Kreis Zwickau, der Vogtlandkreis sowie die Städte Zwickau und Plauen einzahlen und zusammen festlegen, wer für welches Projekt wie viel Geld bekommt. Plauen hätte da künftig schlechte Karten. Bei der Kreisreform 2008 verlor Plauen die Kreisfreiheit. Vieles ging an den Vogtlandkreis über - auch die Verpflichtung zur Kulturfinanzierung, der der Kreis allerdings nur sehr unzureichend nachkommt. Das stellte Stadtkämmerin Ute Göbel in der Sitzung richtigerweise fest. Sie ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass sie (noch) nicht wisse, wie die Stadt künftig die Last von jährlich 740.000 Euro tragen soll. Doch sie wird ganz sicher einen guten Weg finden. Nicht die Zustimmung am Dienstag war der Fehler, was manche jetzt behaupten, sondern die Ablehnung bei der Haushaltsberatung. Wer meint, die Stadt wäre bei einem Austritt aus dem Kulturraum um 740.000 Euro entlastet worden, sitzt einer Milchmädchenrechnung auf. Der Vogtlandkreis, der den Plauener Anteil übernehmen müsste, hätte sich über die Kreisumlage einen Großteil, schätzungsweise 250.000 Euro, wieder zurückgeholt. Die Finanzierung mancher Plauener Kulturprojekte hätte die Stadt übernehmen müssen, um die Vereine nicht im Regen stehen lassen. Denn keiner kann den Kreis zwingen, seine Pflichten zu erfüllen. Doch es kann auch nicht sein, dass der Streit auf dem Rücken von Kultureinrichtungen ausgetragen wird. Wilfried Hub