Ich bin der Meinung, dass...

… nur wenige Wochen nach der unwürdigen Kür des Kanzlerkandidaten schon wieder Unruhe in der Union herrscht. Die Nominierung von Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen als CDU-Bundestagsabgeordneter in Südthüringen bringt wieder alles in Unordnung. Parteichef Armin Laschet will die Personalie Maaßen klein halten. Sie sei im Parteipräsidium kein Thema. Er sei ja auch nur einer von 299 Direktkandidaten. Doch auch Laschet weiß, dass in den nächsten Wochen die Debatte um das Verhältnis zur AfD wieder beginnen wird. Und er weiß auch, dass die Diskussion im Osten dazu ganz anders geführt wird als im Westen. Laschet sprach am Montag in Jena mit erhobener Stimme Klartext, wie er es nannte. "Mit der AfD wird nicht koaliert, nicht kooperiert, nicht einmal verhandelt." An diese Regeln sollten sich alle halten. Schließlich sei er der Parteivorsitzende und gebe deswegen die Richtung vor. Doch die Parteifreunde im Osten lassen sich nicht so einfach disziplinieren. Es hat Tradition, dass man bei Ansagen von "oben" ganz gerne mal die Ohren auf Durchzug stellt. Erst recht wenn der ungeliebte Parteichef etwas sagt. Es ist kein Geheimnis, dass die ostdeutschen Landesverbände erst Friedrich Merz als Chef der Partei sehen wollten, dann Markus Söder als Kanzlerkandidat, und sich nun mit einem Mann arrangieren müssen, der für die Fortsetzung der unpopulären Linie Merkel steht.
Dass die Uhren im Osten anders ticken, könnte sich schon bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni zeigen. Bestenfalls könnte die CDU mit Maaßen einen Kandidaten haben, der die AfD schwächt, da er ähnliche Schwerpunkte setzt, zum Beispiel in der Migrationspolitik. Es kann aber auch schlecht laufen und die CDU erzielt bei der Wahl ein "grottenschlechtes" Ergebnis. Dann stellt sich ganz schnell die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der AfD. Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff ist absolut unverdächtig, der AfD nahe zu sein. Doch was ist, wenn das Wahlergebnis nicht so ausfällt wie erhofft. Fraglich ist, ob der dann möglicherweise geschwächte Spitzenkandidat die ebenfalls geschwächte CDU-Fraktion im Magdeburger Landtag noch im Griff hat. Maaßen, der keine Berührungsängste zur AfD hat, könnte zum Mann der Stunde werden. In Thüringen, aber auch in Sachsen-Anhalt haben einige CDU-Mitglieder in der Vergangenheit eine Kooperation mit der AfD ins Gespräch gebracht. Das entspreche dem Wählerwillen, hieß es. Zuletzt machte Sachsen-Anhalts mittlerweile zurückgetretener CDU-Landeschef Holger Stahlknecht Schlagzeilen, indem er eine Minderheitsregierung unter Duldung der AfD zur Diskussion stellte. Für Laschet ist die Frage weniger, wie die Berliner Parteispitze mit der AfD umgeht, sondern eher wie er auf Entwicklungen in der Ost-CDU reagieren soll, die sich der AfD annähern will. Er weiß, welches Minenfeld im Osten auf ihn wartet. Wilfried Hub