Ich bin der Meinung dass...

… Glaubwürdigkeit in der Politik eine wichtige, vielleicht sogar die wichtigste Rolle spielt. Da sind wir uns sicher alle einig. Nimmt man die Glaubwürdigkeit zum Maßstab, sind die Grünen der Union haushoch überlegen. Bei den Umfragen sieht es bislang (noch) nicht so aus. Die Union schmiert zwar ab, liegt aber noch mit ein paar Prozenten vorne. Doch auch das kann sich angesichts des brutalen Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur schnell ändern. Ganz im Verborgenen haben sich Annalena Baerbock und Robert Habeck von den Grünen geeinigt, wer die Kanzlerkandidatur übernimmt. Die Partei ist seit längerem in einem Umfragehoch. Am Montag kurz vor Mittag wurde bekanntgegeben, dass die 40-jährige Baerbock Kanzlerkandidatin der Grünen ist. Sie und Habeck wollen als Spitzenduo den Wahlkampf führen, "unabhängig davon, wer einen halben Schritt zurückgeht", formulierte Robert Habeck die Einigkeit in seiner Partei. Hoffnungen auf das Kanzleramt könnten sich die Grünen insbesondere in einem Dreierbündnis machen - etwa in einer Ampel mit SPD und FDP oder Grün-Rot-Rot. Eine Koalition mit der Union als Juniorpartner kann ich mir im Moment (noch) nicht vorstellen.
Neben der Union sieht im Moment jede Partei gut aus. Der erbitterte Kampf um die Kanzlerkandidatur zwischen Armin Laschet und Markus Söder ist unwürdig. Das geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit und wird, unabhängig vom Ausgang der Kandidatenschlacht, beide Schwestern schwächen und viele Wählerstimmen kosten. Die Union wird danach nicht mehr sein was sie vorher. Von einer geschlossenen Union, in der zwischen beide Parteien "kein Blatt Papier passt" (Originalton Laschet), kann keine Rede mehr sein. Söder hatte am vorvergangenen Sonntag betont, seine Partei werde einen Kandidaten Laschet akzeptieren und unterstützen, wenn die CDU es möchte. Wir alle wissen, dass es so nicht kam. Beide bleiben stur. Ich kann mir kaum vorstellen, dass beide Parteien nach einer "Lösung", wieder harmonisch zusammenarbeiten können. Dafür sind die Gräben, die aufgerissen wurden, einfach zu tief. Die Union ist gespalten. Mich würde interessieren, was die beiden bei ihren zahlreichen Treffen zu besprechen hatten. Einen Kompromiss kann es in einer Frage um entweder oder schließlich nicht geben. Vielleicht ging es darum, wie der Unterlegene ohne Gesichtsverlust aus der Nummer herauskommen könnte. Oder es wurde bereits über die Ämterverteilung nach einer gewonnenen Wahl gesprochen. Wir werden es wohl nie erfahren. Wilfried Hub