Ich bin der Meinung, dass...

… es bei Problemen immer besser ist, miteinander anstatt übereinander zu reden. Es war keine gute Idee von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, der Einladung zum Ortstermin mit den Bewohnern der Kauschwitzer Siedlung fern zu bleiben und auch keinen Vertreter zu schicken. Offensichtlich gibt es im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau von fünf Stadtvillen Gesprächsbedarf mit der Stadtverwaltung. Und da gehört es sich einfach, ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der betroffenen Bürger zu haben - zunächst mal egal, ob deren Kritik berechtigt ist oder nicht. Würde Oberdorfer bei der OB-Wahl am 13. Juni erneut kandidieren, hätte er sich vermutlich anders entschieden und Bürgernähe bekundet. Für den Kauschwitzer Ortsvorsteher Ingo Eckardt, auch unabhängiger Kandidat bei der OB-Wahl, eine gute Gelegenheit, sich als Kümmerer zu präsentieren. Gemeinsam mit den aufgebrachten Bewohnern will er gegen das Vorhaben eines privaten Unternehmers kämpfen, am Rande der Siedlung fünf dreigeschossige Mehrfamilienhäuser samt Spielplatz und Tiefgarage zu errichten. Das könnte Wählerstimmen bringen. Doch als Kauschwitzer Gung und Ortsvorsteher hat er die schon fast alle sicher.
Besonders verärgert sind die Anwohner, dass in dem kleinen Park 47 Bäume gefällt wurden und sie keine Möglichkeit hatten, das zu verhindern. Man sei zu kurzfristig über das Projekt informiert worden. Noch bevor die Frist für einen möglichen Einspruch abgelaufen war, so die Bürger, sei die Baumfäll-Aktion gestartet worden. Mittlerweile richten sich die Proteste gegen das Projekt insgesamt. Einige Widersprüche wurden bereits eingelegt. Die im Vergleich zu den Siedlungshäusern geplante massive Anlage wird kritisiert. Die dreigeschossige Bauweise sei zu hoch. Außerdem würden die geplanten Flachdächer nicht zu den in der Gegend üblichen Spitzdächer passen. Es könnte sein, dass sich in Kauschwitz ein ähnlicher Dauerstreit anbahnt, wie bei den Plänen für das Industriegebiet Oberlosa. Während Ingo Eckardt den Ortstermin verständlicherweise zu Wahlkampfzwecken nutzte ("Dieser Stil geht so nicht mehr."), kündigten die Bewohner der in den 1920er Jahren entstandenen Siedlung Widerstand an. Manche befürchten, dass Luxusbauten für Besserverdienende entstehen könnten, die an diesem Standort keinen Sinn machten. Baubürgermeisterin Kerstin Wolf hatte bei der Vorstellung des Bauvorhabens im zuständigen Ausschuss aber betont, dass der Bedarf dafür auch in Plauen recht hoch sei. Wilfried Hub