Ich bin der Meinung, dass...

… das Thema Kanzlerkandidatur in der Union irgendwann auch zu einer Frage der Glaubwürdigkeit wird. In einem halben Jahr wird ein neuer Bundestag gewählt, da möchten die Wähler langsam wissen, mit welchem Spitzenpersonal die Parteien antreten. Von Interesse sind eigentlich nur noch die Union und die Grünen, da die SPD als ernst zunehmender Konkurrent bereits ausgeschieden ist. Lediglich als Juniorpartner in einer Ampelkoalition könnte die Partei des Kandidaten Olaf Scholz noch eine Rolle spielen. Das Virus hat auch bei der Union vieles durcheinander gewirbelt und jetzt setzen die Grünen sie auch noch unter Zugzwang. Die werden am 19. April bekanntgeben, mit wem sie ins Rennen gehen: mit Annalena Baerbock oder Robert Habeck. Berauscht von steigenden Umfragewerten, die die Partei in die Nähe zur Union bringen, zeigen sie: Schaut her, wir sind der neue Stabilitätsanker. Dabei war stabile Geschlossenheit lange das, was die Union ausmachte. Aber das gilt nicht mehr, nicht in diesen Tagen. Die Union ist uneins, und die Grünen sind auf Kurs. Und der Union fehlt noch immer der natürliche Kanzlerkandidat. Qua Amt wäre das Laschet. Aber der steckt im Umfragesumpf fest, während sich der Chef der kleinen Schwester - der bayerische Ministerpräsident Markus Söder - großer Beliebtheit erfreut. Laschet will es werden. Söder auch. Obwohl er sich offiziell noch nicht festgelegt. Laschets Versuch, Führung zu übernehmen ist diese Woche kläglich gescheitert. Sein "Brücken-Lockdown" stieß in den eigenen Reihen auf taube Ohren oder Unverständnis. Laschets größtes Manko wird hier offensichtlich: Es mangelt ihm an Autorität.
Die Vogtland-CDU will den bayerischen Ministerpräsidenten nach der Wahl im Kanzleramt sehen und macht auch keinen Hehl daraus, dass sie in dieser Frage nicht hinter ihrem Vorsitzenden steht. Auch für mich ist Söder der einzige, den ich mir als Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel vorstellen kann. Schon bei der Wahl des Parteivorsitzenden wollten die Vogtländer nicht Armin Laschet, sondern den unterlegenen Friedrich Merz, den sie sich auch fürs Bundeskanzleramt gewünscht hätten. Aber wenn schon nicht Merz, dann wenigstens Söder. Auch die vogtländische CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas setzt auf Söder. Das Stimmungsbild in der Partei sei eindeutig und mit ihm habe die Union die besseren Wahlchancen. Auch Magwas ist der Meinung, dass die K-Frage möglichst schnell beantwortet werden sollte. Doch wir werden uns wohl noch eine Weile gedulden und das öffentliche Schaulaufen ertragen müssen, bis die Entscheidung für Söder oder Laschet fällt. Auf wen sich die beiden Vorsitzenden einigen, muss zuerst den Präsidien von CDU und CSU vorgelegt werden, was für einen Montag spricht. Allerdings ist der kommende Montag belegt durch die Bund-Länder-Konferenz und den darauffolgenden Montag haben jetzt nun mal die Grünen geblockt. Wilfried Hub