Ich bin der Meinung, dass

… es sich die CDU etwas zu leicht macht, wenn sie die Wahlniederlagen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit der Maskenaffäre in der Union und der Corona-Pandemie begründet. Viele Wähler hatten ihre Stimmen längst abgegeben, als das unanständige, vielleicht sogar strafbare Verhalten einzelner CDU-Abgeordneter bekannt wurde. Wer die Pandemie-Bekämpfung als Vorteil für die Amtsinhaber wertet, verkennt die gegenwärtige Lage. Fehler, Fehleinschätzungen und Pannen hätten sich eher negativ für die Landeschefs Winfried Kretschmann und Malu Dreyer auswirken müssen. Schließlich entscheiden beide mit bei den Lockdown-Maßnahmen. Die CDU hatte in Mainz zur SPD und in Stuttgart zu den Grünen weder inhaltlich noch personell Alternativen zu bieten.

Am Sonntag erhielt die CDU die Quittung für ihre Verfehlungen auf Bundesebene. Da gibt es nichts zu beschönigen. Falls es ihr nicht gelingt, aus einer selbstkritischen Wahlanalyse heraus Konsequenzen zu ziehen, steuert die Union schnurstracks auf den Machtverlust in Berlin zu. Es könnte vermutlich auch ohne die Union im Bund regiert werden. Außerdem fehlt ihr der Wählermagnet Angela Merkel. Ampelkoalitionen mit Grünen, SPD und FDP oder Rot-Rot-Grün werden immer wahrscheinlicher.


Für die Union müssten die zwei schweren Niederlagen in den ehemaligen Stammländern der CDU ein Weckruf im Superwahljahr sein. Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet steht vor einer Hercules-Aufgabe. Doch auch für den SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz gibt es eigentlich keinen Grund mit breiter Brust durchs Land zu laufen. Er und die SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans triumphieren. In der Tat ist durch die Landtagswahlen sehr viel Bewegung ins Spiel gekommen. Die Forderung des Bundesfinanzministers "ich will Kanzler werden" scheint aber doch etwas zu vorschnell. Die CDU steht vor zwei schwierigen Aufgaben. Erstens darf sie die Schuld jetzt nicht bei anderen suchen, sondern muss selbst dafür sorgen, dass es beim Bewältigen der Corona-Pandemie auf allen Feldern schneller geht - vor allem beim Impfen und Testen. Und zweitens sollte die Frage nach dem Kanzlerkandidaten möglichst rasch beantwortet werden. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat mit Abstand die besten Umfragewerte. Die CDU ist gut beraten, ihm die Kandidatur anzubieten. Dann wäre auch sie ganz schnell wieder im Spiel. Wilfried Hub