Ich bin der Meinung, dass...

… Diskussionen über weitere Lockerungen zumindest im Vogtland im Moment kaum Sinn haben. Die Situation ist einfach zu ernst. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von stabil über 200 seit Wochen gehört unser Landkreis bundesweit zu den Hotspot-Spitzenreitern. Es bleibt bei den Ausgangsbeschränkungen. Geschäfte, Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen sind weiter dicht. Dass Kitas und Schulen bis in den April hinein geschlossen bleiben, ist besonders bitter. Die sozialen Folgen für Kindern und Eltern sind bekannt. Freuen wir uns, und das ist jetzt nicht ironisch gemeint, an den wenigen Dingen, die sich verbessert haben. Wir können wieder zum Friseur, Buchläden, Garten- und Baumärkte sind geöffnet, beim Handel funktioniert "Click & Collect". Testen und vor allem Impfen werden in den nächsten Wochen die wichtigen Themen sein. Im Vogtland müsse die gesamte Bevölkerung schnellstmöglich geimpft werden, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am Donnerstag. Er nennt das "Brandmauer" gegen die sehr hohen Infektionszahlen in Tschechien. Andernfalls könne sich das erhöhte Infektionsgeschehen in den Grenzregionen auf ganz Deutschland auswirken. Es sei möglich, so Kretschmer, das Vogtland innerhalb weniger Wochen durchzuimpfen.
Sachsen will das Vogtland aus der Pandemie freiimpfen. Die Voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen: Die festgelegte Reihenfolge der Impfberechtigten wurde aufgehoben. Schon in Kürze sollen sich hier alle Menschen ab 18 Jahren impfen lassen können. Ab wann das möglich sein wird, steht noch nicht fest. Vermutlich nächste Woche kann es losgehen. Trotz des zweiten Impfzentrums, das am Mittwoch in Plauen den Betrieb aufnahm, könnte es schwierig werden, dass in kurzer Zeit alle willigen Menschen eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Impfstoff für das Modellprojekt Vogtland steht nach den Aussagen Kretschmers ausreichend zur Verfügung. Die Worte höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Doch auch die Kapazitäten stehen nicht zur Verfügung. Beide Zentren und die drei Impf-Busse schaffen täglich 2100 Impfungen. Da kann sich jeder selbst ausrechnen wie lange es dauern könnte, bis alle Vogtländer ihren Pieks bekommen haben. Das würde nicht einige Wochen, sondern mehrere Monate dauern. Es ist dringend nötig, weitere Kapazitäten zu schaffen. Ohne die Hausärzte wird es wohl nicht gehen. Sie sollten deshalb umgehend und nicht erst ab April oder Mai einbezogen werden. Doch im Moment reicht der Impfstoff kaum für die drei Modellpraxen. Wilfried Hub