Ich bin der Meinung, dass...

… wir einfach nicht mehr wissen, was und wem wir in der Corona-Pandemie noch glauben sollen. Die Entscheidungen auf bundes-, landes- und auf der kommunalen Ebene sind wenig transparent und kaum mehr nachvollziehbar. Die Menschen sind unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierenden. Und sie sind erschöpft und mürbe. Auch wegen der vielen Pannen, Fehler und Fehleinschätzungen sind die Leute nicht mehr bereit, die Maßnahmen weiter zu akzeptieren. Es weiß ohnehin keiner, welche Regel gerade wo gilt. Der wochenlange Lockdown trifft nicht jeden gleich. Verspätete Friseurtermine sind zu verschmerzen, auch wenn es manchem gehörig aufs Gemüt schlägt. Dass Gastronomie, Kultur, Freizeiteinrichtungen und große Teile des Handels geschlossen bleiben, ist für die Inhaber, die Angst vor der Insolvenz haben, und für die Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangen, ein großes Problem. Am härtesten trifft es die Eltern, deren Kinder nicht mehr zur Schule oder in die Kita dürfen. Nach wochenlangem Homeschooling im vergangenen und in diesem Jahr sind viele mit ihrer Kraft am Ende. Die Nerven liegen blank, die zum Schulraum umfunktionierte Küche wird zum Hexenkessel. Und da sollen die Eltern möglichst im Homeoffice auch noch ihrer Arbeit nachgehen. Die Eltern fühlen sich veräppelt, weil Kitas und Grundschulen im Februar geöffnet wurden, um sie zwei Wochen später wieder zu schließen. Meiner Ansicht nach müssen endlich Wege gefunden werden, Schulen und Kitas wieder dauerhaft zu öffnen - möglicherweise mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen und einer Teststrategie. In manchen Schulen wird das bereits praktiziert. Alle haben zunehmend das Gefühl, dass die politisch Verantwortlichen bei ihren Entscheidungen zu wenig oder gar nicht über die unzumutbaren Folgen für die Menschen nachdenken. Deshalb gingen die Plauener am Dienstag auf die Straße. Vielen reicht es nicht mehr, sich über die Medien und vor allem über die sozialen Netzwerke Luft zu machen. 600 Menschen kamen auf Einladung von "Colorido" in die Innenstadt, um gegen die Kita- und Grundschulschließungen zu protestieren. Obwohl das Thema an den Nerven zehrt, ging die Kundgebung auf dem Theaterplatz ohne jeden Zwischenfall über die Bühne. Massiv kritisiert wurde Landrat Rolf Keil. Er ist für die Umsetzung der Maßnahmen im Vogtland verantwortlich und damit auch für die Fehler und Pannen, die in den vergangenen Wochen und Monaten vorkamen. Wilfried Hub