Ich bin der Meinung, dass...

… sich die Grünen mal wieder selbst im Weg stehen. Mit der Debatte um ein Verbot von Eigenheimen, die vom grünen Fraktionschef Anton Hofreiter ohne Not losgetreten wurde, bedient sie vor allem ihre politischen Gegner, die die Grünen gerne als Verbotspartei in die Ecke stellen wollen. Hofreiter relativierte, dass er nur eine Verordnung im dicht besiedelten Hamburger Norden habe rechtfertigen wollen, die keinen Neubau von Eigenheimen mehr vorsieht. Parteichef Robert Harbeck stellte klar, dass die Grünen ganz im Gegenteil den "Erwerb von privatem Wohneigentum ermöglichen" wollen. Im Superwahljahr kann die Partei Debatten nicht brauchen, wonach die Grünen an Fleischkonsum, Hauseigentum oder Autonutzung der Menschen ran wollen. Sie streben an die Macht - und wissen, dass die Union um eine Koalition mit ihnen kaum herumkommt. Und doch ist Hofreiters Thema ein Problem, mit dem man sich künftig wird beschäftigen müssen. Er hat vor allem Großstädte im Blick. In Plauen geht es derzeit eher darum, verstärkt Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen. Im Finanzausschuss wurde eine Liste möglicher Bauland-Flächen gefordert. Auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer will mehr Baugrundstücke, sieht aber Probleme bei der Genehmigung von Baugebieten durch übergeordnete Stellen. Auch wenn er jetzt zurückgerudert ist, sprach Hofreiter ein ureigenes Thema der Grünen an. Es sollen keine Flächen mehr neu versiegelt oder zugebaut werden. Stattdessen sollen die bestehenden Städte verdichtet werden. Umweltexperten warnen schon lange vor den Folgen der Versiegelung des Bodens auf den Wasserhaushalt. Was Hofreiter sagte, war aus parteistrategischer Sicht wohl ungeschickt, aber genau das hat er gemeint. Er kritisiert die Zersiedelung der Landschaft und meint zum Beispiel den Speckgürtel rund um Berlin mit weitverstreuten Gewerbeparks, Einkaufszentren und Eigenheimen. Dazu wird man doch als Grüner noch etwas sagen dürfen. Der Traum vom Eigenheim im Grünen ist der Alptraum jedes Stadtplaners. Besonders die Infrastruktur am Stadtrand kostet viel Geld: Wasser und Strom müssen hingebracht, Abwasser und Müll wegtransportiert werden. Am teuersten aber sind die Straßen, und sie richten gleichzeitig am meisten Schaden an. Auto und Einfamilienhaus gehören untrennbar zusammen. Heute stellen die Grünen das Wohnen im Grünen nur noch ungern in Frage. Anton Hofreiter ist mit seinem Versuch, wieder zu "alten" grünen Werten zurückzukehren, erst mal gescheitert. Wilfried Hub