Ich bin der Meinung, dass...

… es richtig ist, die Schulen und Kindergärten jetzt schrittweise wieder zu öffnen. Trotz steigender Infektionszahlen und trotz Kritik einiger Gesundheitsexperten. Allen voran Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Epidemiologe, der Deutschland am Beginn der dritten Corona-Welle sieht. Er kritisiert die teilweise Öffnung von Schulen auch deshalb, weil die Antigen-Schnelltests noch nicht da sind. In zehn weiteren Bundesländern nahmen am Montag die Grundschulen den Betrieb auf. Es findet entweder Wechselbetrieb mit halben Klassen statt, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen. Bei den Kitas dürfen mehr Kinder, mancherorts auch alle wieder in die Betreuung zurück. In Sachsen waren Grundschulen und Kitas bereits vor einer Woche geöffnet worden. Da jedes Land selbst entscheidet, in welcher Form gestartet wird, gibt es erhebliche Unterschiede. In Kreisen mit hoher Inzidenz bleiben Schulen und Kitas geschlossen. Ich bin trotz vieler Warnungen der Ansicht, dass das Risiko eingegangen werden muss, Schulen und Kitas mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen wieder zu öffnen. Die Antigen-Tests müssen je nach Verfügbarkeit allerdings so schnell wie möglich bei allen Kindern eingesetzt werden, die am Präsenzunterricht teilnehmen.
Die psychischen und körperlichen Schäden, die durch dauerhaftes Homeschooling entstehen, können nicht weiter in Kauf genommen werden. Für Kinder ist der Kontakt mit Gleichaltrigen enorm wichtig. Die negativen Auswirkungen sind seit dem ersten Lockdown belegt. Psychische und psychosomatische Auffälligkeiten wie Gereiztheit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Niedergeschlagenheit nehmen zu. Indes ist Deutschland vom angestrebten Inzidenzwert von 35, der weitere Öffnungen ermöglichen soll, noch weit entfernt. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg wieder an und liegt nun bei 61. Im Vogtland hatte sie am Wochenende einen Wert von knapp 200 erreicht. Immer mehr Mediziner verlangen mittlerweile, Lockerungen vom Inzidenzwert abzukoppeln. So fordern zum Beispiel die zehn Berliner Amtsärzte, Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung nicht allein von Inzidenzen von 20/35/50 abhängig zu machen. Die Werte sind auch von Testkapazitäten und dem Testwillen der Menschen abhängig. Wegen der dadurch entstehenden Schwankungen spiegeln sie die Lage nicht korrekt wider. Auch der sogenannte R-Wert und die Auslastung der Intensivmedizin sollten wichtige Kriterien für Lockerungsschritte sein. All das muss bei den geplanten Stufenplänen berücksichtigt werden. Wilfried Hub