Ich bin der Meinung, dass...

… deftige Töne zu Aschermittwoch auch ohne überfüllte Bierzelte ganz gut gehen. Etwas steril wirkten die Reden von Markus Söder, des bayerischen Ministerpräsidenten, und der anderen Parteivorsitzenden, die im Internet und im Fernsehen übertragen wurden. Im Superwahljahr 2021 gab's trotzdem klare Kante. Vor allem gegen die AfD, aber auch gegen die anderen Parteien im gegnerischen Lager. Sie wurden mit kräftigen Worten abgekanzelt. Das funktionierte genauso wie beim Präsenz-Aschermittwoch. Anders als früher konnte sich im virtuellen Zelt aber keine Stimmung hochschaukeln. Es war eben eine eher sterile Angelegenheit. Die Worte waren deshalb mehr abgewogen als sonst. Übertriebene Zuspitzungen und Schläge unter die Gürtellinie gab es kaum. Schließlich konnte man verbale Entgleisungen danach nicht mit der aufgeheizten Atmosphäre rechtfertigen. Es war eine Gratwanderung. Das Thema Corona ist zu ernst, um darüber derbe Witze zu machen. Da war der Überbietungswettbewerb bei den Lockerungen schon eher geeignet. Auch die Fehler der Bundesregierung und des Gesundheitsministers Jens Spahn wurden thematisiert. Ebenso der föderale Flickenteppich, der die Menschen verunsichert.
Der CDU-Parteivorsitzende Armin Laschet war von der CSU eingeladen worden, ein Grußwort zu halten. Er wurde zugeschaltet. Eine freundliche Geste, aber sicherlich mit Hintergedanken. Ein gefährliches Spiel, das für Söder auch nach hinten hätte losgehen können. Schließlich sind im Herbst Bundestagswahlen und die Union hat noch keinen Kanzlerkandidaten. Bekanntlich wird die Entscheidung zur Kandidatur von CDU und CDU gemeinsam geklärt. Wäre Laschet bei der CSU schlecht angekommen, hätte er im Wettstreit der Schwesterparteien um die Kandidatur einen Klotz am Bein. Wäre er gut angekommen, hätte Söder ein Problem. Laschet, der auch Regierungschef in NRW ist, geriet in den vergangenen Tagen in die Kritik, weil er vom Inzidenzwert 35 für Corona-Lockerungen abrücken will. Der CDU-Chef sprach von "erfundenen Grenzwerten, die verhindern, dass Leben wieder stattfinden kann". Die SPD spricht von "unbeholfenem Populismus". Auch Laschets Schlingerkurs, der wohl eher als Profilierung für die Kanzlerschaft gedacht war, verunsichert die Menschen.