Ich bin der Meinung, dass...

… sich von der Bund-Länder-Beratung zur Corona-Pandemie am Mittwoch alle sehr viel mehr versprochen hatten. Zuversicht und ein wenig Zufriedenheit sollte von dem Treffen der Kanzlerin mit den Landes-Regierungschefs ausgehen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Enttäuschung ist groß. Die Menschen sind frustriert, weil sie sich diszipliniert an alle, auch unsinnige Maßnahmen gehalten haben und der Inzidenzwert sich langsam der magischen Zahl von 50 nähert. Doch es gab keine Belohnung, sondern einen Schlag ins Gesicht. Jetzt sollen plötzlich 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen das Ziel sein. Erst dann könnte es erste Lockerungen geben, heißt es aus Berlin. Auch das werden wir noch schaffen. Aber wer weiß, vielleicht heißt das Ziel dann 20 oder 10 oder 5 Neuinfektionen. Bekannte Virologen und Epidemiologen sehen das heute schon so. Langsam fühlt man sich echt verscheißert. Auch die Ministerpräsidenten sind frustriert, weil über ihre sorgfältig vorbereiteten Stufenpläne zum Ausstieg in der Runde nicht mal richtig diskutiert wurde. Im Moment gibt es nur eine Stufe und das ist die bei der Inzidenz 35. Wer die vagen Perspektiven kritisiert, wird stets mit dem Hinweis auf die Gefahren mutierter Viren abgebürstet.
Frust schiebt auch die Kanzlerin, weil sie sich mit ihrer Forderung nach bundeseinheitlichen Kriterien für die Öffnung von Grundschulen und Kitas nicht durchsetzen konnte. Über Öffnungen können die Länder mit ihrer Kultushoheit jetzt selbst entscheiden. Das ist vielleicht das einzige positive Signal, das von Berlin ausgeht. Das kann jetzt sehr schnell gehen, weil viele Kultusminister ausgefeilte Hygienekonzepte erarbeitet haben. In Sachsen starten Schulen und Kitas bereits am kommenden Montag. Wenigstens die gefrusteten Eltern können etwas aufatmen. Frustriert und deprimiert sind auch Einzelhändler, Gastronomen und Kulturschaffende, weil es für sie außer klugen Sprüchen nichts gab. Keine Öffnungsperspektiven. Dabei wäre da mit guten Hygienekonzepten einiges möglich. Auch die Damen und Herren, die mal wieder zum Friseur müssen, sind enttäuscht. Zumindest in Sachsen. Regierungschef Michael Kretschmer hatte vor einigen Tagen versprochen, dass Friseure ab 15. Februar wieder öffnen. Jetzt dauert es noch bis 1. März. Frust auch im Bundestag, weil die Abgeordneten wieder erst nach der Bund-Länder-Sitzung und nach den Beschlüssen von der Kanzlerin informiert wurden. So haben sich die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes die Machtverteilung in der Bundesrepublik jedenfalls nicht vorgestellt. Wilfried Hub