Ich bin der Meinung, dass...

… der Wintereinbruch gerade zur rechten Zeit kommt. Und zwar für alle. Für uns Otto Normalverbraucher, weil Schnee und Eis die Corona-Pandemie für zwei, drei Tage von den Titelseiten der Zeitungen verdrängt. Das ist erfreulich, aber auch nicht unbedingt angenehm. Für die Politiker, weil das Chaos auf den Straßen vorübergehend von der nicht minder konfusen Debatten über mögliche Lockerungen des Lockdowns ein wenig ablenkt. Das Virus hat Pause, weil die Menschen endlich zuhause bleiben und die Gefahr, sich zu infizieren, deutlich abnimmt. Plötzlich halten sich alle an die Regeln. Was Merkel, Spahn und Söder wegen der Pandemie-Müdigkeit der Menschen nicht mehr schaffen, gelingt Gisela. Das Wetter-Hoch aus dem hohen Norden trifft direkt über unseren Köpfen auf die Ausläufer des Wettertiefs Tristan, das über dem Mittelmeer hängt. Das bringt in Mitteldeutschland massive Schneemengen und frostige Temperaturen. Einige Wetterfrösche unken schon, dass es eine Schneekatastrophe wie im Winter 1978/79 geben könnte. Auch damals war die Wetterlage so, wie sie jetzt ist: kalte Luft aus dem Norden traf auf warme aus dem Süden. In der Folge schneite es damals unaufhörlich. Die Temperaturen sanken in kurzer Zeit auf bis zu minus 20 Grad.
Vor der nächsten Bund-Länder-Beratung über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie am Mittwoch stehen die Zeichen auf Sturm. Über mögliche Lockerungen und den baldigen Ausstieg aus dem Lockdown wird bereits vorher kontrovers diskutiert. Es gibt fast so viele unterschiedliche Meinungen wie Deutschland Länder und Ministerpräsidenten hat. Während Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) Lockerungen bei dem noch bis 14. Februar befristeten Lockdown strikt ablehnt, "um in zwei, drei Wochen nicht wieder in einer schlimmeren Situation zu sein als vor dem Lockdown", hält Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer eine "vorsichtige Lockerung der Kontaktbeschränkungen für durchaus vertretbar". Thüringen wünscht sich für den Ausstieg einen Vier-Stufen-Plan, der dann regional unterschiedlich umgesetzt werden sollte. Alle hoffen auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen, tun aber herzlich wenig dafür. Man hört nur die bekannte Kakophonie der Berliner Politik mit den üblichen Missklängen und Unstimmigkeiten. Da muss von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wilfried Hub