Ich bin der Meinung, dass...

… wir ein grauenvolles Jahr hinter uns haben und ein Ende des Schreckens noch immer nicht absehbar ist. Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da wurde in Bayern der erste Covid-19-Patient gemeldet. Damals ahnte noch keiner, wie immens sich Corona auswirken wird. Mehrere Mitarbeiter eines Autozulieferers südlich von München mit regelmäßigen Kontakten nach China hatten sich infiziert. Die Unternehmensführung entschied, alle Mitarbeiter sofort ins Homeoffice zu schicken. Der ganze Standort wurde von einem zum anderen Tag dichtgemacht. Das Coronavirus hatte zu dem Zeitpunkt weltweit bereits 80 Tote gefordert, aber nicht in Deutschland. Der Verdacht auf einen ersten Krankheitsfall in der Bundesrepublik stellte sich als Fehlalarm heraus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sah unser Land damals gut gewappnet. Heute wissen wir, wie fatal falsch diese Einschätzung war. "Deutschland ist gut vorbereitet." Dieser Satz des Ministers war im Januar 2020 ebenso falsch wie heute. Es begann eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Deutschland war (und ist) mit den Herausforderungen einer solchen Pandemie überfordert. Am Anfang fehlte es an allem. Obwohl in den Schubladen der zuständigen Behörden für genau solche Katastrophen Notfallpläne lagen, gab es nicht genügend Schutzbekleidung für das Personal in Kliniken und Pflegeheimen. Man hatte die Pläne nicht ernst genommen und keine Vorräte angelegt.


An einen Schutz der Bevölkerung war damals nicht zu denken. Weil es keine Schutzmasken gab, wurden diese kurzerhand für nutzlos und gefährlich erklärt. Die Kanzlerin warnte vor den "Virenschleudern". Erst nach und nach wurde klar, dass Maske tragen neben Hände waschen und Abstand halten die einzige Möglichkeit ist, sich irgendwie vor dem gefährlichen Virus zu schützen. Die Menschen wurden aufgefordert, sich Masken selbst zu nähen. Erst nach Monaten konnte man welche im Handel kaufen. Zur "Einordnung" betonte Spahn, dass der Krankheitsverlauf bei Corona milder sei als bei einer Grippe. Ein folgenschwerer Irrtum wie wir heute angesichts überfüllter Intensivstationen und 50.000 Corona-Toter wissen. Eine ähnliche Fehleinschätzung gab es beim Testen. Es dauerte lange, bis die ersten Teststationen öffneten. Die Grenzen wurden geschlossen und konnten nur mit einem negativen Test überwunden werden. Das galt auch für Veranstaltungen. Später wurden sie verboten. Handel und Gastronomie wurden geschlossen. Das Impfen galt als "Licht am Ende des Tunnels". Impfzentren wurden eingerichtet. Alles wartete auf das Serum. Das kam auch. Aber weniger als erwartet. Die EU wollte sparen und hatte zu wenig und zu spät bestellt. Das nächste Chaos begann. Kaum Betrieb in den Zentren, große Probleme bei der Vergabe von Impfterminen. Das alles machte die Menschen müde und mürbe. Das Vertrauen der Leute in die Politik nahm stetig ab. Hochkonjunktur für Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker. Wilfried Hub