Ich bin der Meinung, dass...

… es höchste Zeit wurde, ins Chaos um die Vergabe von Impfterminen Bewegung zu bringen. Von Problemen beim Impfen selbst ist allein deshalb (noch) keine Rede, weil derzeit nur so wenig Serum im Vogtland ankommt, dass im Impfzentrum Eich nur vereinzelt geimpft werden kann. Jetzt wollen die vogtländischen Bürgermeister die leidige Sache selbst in die Hand nehmen. Auf Initiative von Thomas Hennig, Oberbürgermeister von Klingenthal und Kreisvorsitzender des Sächsischen Städte- und Gemeindetags (SSG), trafen sich am Montag fast alle Chefs der Städte und Gemeinden im Vogtland zum digitalen Gedankenaustausch. Die Kommunen wollen sich mit ihren über 80-jährigen Mitbürgern in Verbindung setzen, um mitzuhelfen, die Impftermine zu buchen. Außerdem will man organisieren, die betagten Vogtländer mit Kleinbussen zum Impfzentrum zu bringen. Damit das reibungslos ablaufen kann, sollen den einzelnen Städten und Gemeinden halbe oder ganze Tage zugewiesen werden. Damit wird es möglich, dass alle Senioren aus einer Gemeinde im Sammeltransport nach Eich gebracht werden können. Eine charmante Idee, die zumindest für kleinere Gemeinden sehr sinnvoll ist. Ob das auch eine Lösung für die größeren Städte in der Region sein kann, ist fraglich. In Plauen zum Beispiel leben rund 6000 Menschen, die älter als 80 Jahre sind. Die Situation für die Spitzenstadt kann sich nur entspannen, wenn eine Außenstelle des Impfzentrums etabliert wird. Gefordert wurde ein zweites Zentrum von Bürgermeister Steffen Zenner längst und die zuständigen Stellen in Dresden haben bereits signalisiert, dass eine Plauener Außenstelle möglich werde, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden sei.
Meiner Ansicht nach hätte das Impfen von Anfang an anders organisiert werden müssen. Bereits Anfang des Monats wurde an dieser Stelle vorgeschlagen, das Impfen den Hausärzten zu übertragen. Vor allem die Impfstoffe, die einfach gelagert werden können, sollten über die Allgemeinmediziner verimpft werden. Bei entsprechender Organisation könnte aber auch stark gekühltes Serum in den Praxen verabreicht werden. Es ist unverständlich, warum die vorhandene Struktur der hausärztlichen Grundversorgung nicht genutzt wird. Dort besteht wegen des Vertrauens der Patienten zum Arzt eine große Impfbereitschaft. Vor allem die Risikopatienten könnten innerhalb relativ kurzer Zeit geimpft werden. Dass die Verantwortlichen nicht umdenken (wollen), liegt wohl vor allem daran, dass Gesundheitsminister Jens Spahn sich keinen weiteren Flop mehr leisten kann. Die Impfzentren in Deutschland kosten Bund und Länder, die sich die Kosten teilen, mehrere Hundertmillionen Euro. Die Mieten für die Hallen sind hoch, die Vergütung der Ärzte mit 1200 Euro am Tag großzügig. Auch nicht genutzte Zentren verursachen hohe Kosten. Wen wundert's, dass am Konzept festgehalten wird. Koste es, was es wolle.Wilfried Hub