Ich bin der Meinung, dass...

… es zu erwarten war, dass die neuen Machtverhältnisse im Aufsichtsrat des Theaters Plauen-Zwickau Ungemach bringen werden. Vor allem für Plauen. So blauäugig konnte doch keiner sein, darauf zu bauen, dass tatsächlich alle Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe stattfinden, wenn Zwickau 67,5 Prozent und Plauen 32,5 Prozent der Theaterkosten trägt und wenn mit einem Stimmenverhältnis im Aufsichtsrat von 7:4 Zwickau eine deutliche Vorrangstellung hat. Ursprünglich sollte das Stimmenverhältnis sogar 7:3 sein. Nach zunächst erfolgter Ablehnung des neuen Grundlagenvertrags durch den Plauener Stadtrat im Dezember 2018 wurde das in 7:4 geändert. Immerhin. Der Vertrag gilt bis Ende 2022. Es gilt das Sprichwort "wer zahlt, schafft an", auch wenn uns der Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer in der Vergangenheit etwas anderes glauben machen wollte. Die Befürchtung, dass Plauen durch den geänderten Vertrag sowohl im künstlerischen als auch im finanziellen Bereich jegliches Mitspracherecht verlieren könnte, war berechtigt. Das gilt auch für die Frage, ob Plauen künftig nur noch zur Spielstätte werde. Oberdorfer meinte dazu damals, dass man sich auf die damalige Zwickauer OB Pia Findeis verlassen können und dass für Plauen "alle Rechte gewahrt bleiben". Doch es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Stadt an der Mulde die tatsächlichen Machtverhältnisse ausspielen wird.
Die aktuellen Forderungen, die jetzt in Zwickau laut wurden, Plauen müsse sich stärker engagieren und die Finanzen könnten in künftigen Verhandlungen "nicht ausgeklammert werden", lassen Schlimmes argwöhnen. Die Diskussion über die Finanzierung wurde jetzt zwar erst mal vertagt. Es werde derzeit weder in der Stadtverwaltung Zwickau noch in der Plauens an Sparplänen gearbeitet oder über die Schließung einzelner Sparten nachgedacht. Das erklärte die neue Zwickauer Oberbürgermeisterin Constance Arndt am Mittwoch beim Antrittsbesuch bei ihrem Amtskollegen Ralf Oberdorfer in Plauen. Doch was heißt schon "derzeit"? Wer sich schon länger mit dem Theater Plauen-Zwickau beschäftigt, weiß nur zu gut, dass man auf Versprechungen bei diesem Thema nicht viel geben kann. Zeit für Verhandlungen ist genug. Die Plauener müssen dabei höllisch aufpassen, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden. Es geht ja nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um Personalentscheidungen. Die wichtigste ist aber bereits getroffen. Mit Dirk Löschner ist ab August 2022 ein neuer Generalintendant bestellt. Plauen hat im Aufsichtsrat kein Vetorecht, kann aber bei Entscheidungen versuchen, die Zwickauer Kollegen zu überzeugen. Da der Aufsichtsrat mit Kommunalpolitikern besetzt ist, könnte es also sein, dass die CDU Zwickau mit der CDU Plauen stimmt und nicht wie vom eigenen Stadtoberhaupt gewünscht. Jedenfalls können die beiden OBs keine Entscheidungen gegen den Aufsichtsrat durchsetzen. Wilfried Hub