Ich bin der Meinung, dass...

… die CDU Deutschland vor einem historischen Parteitag steht. Nicht allein, weil die Wahl-Versammlung mit 1001 Delegierten am Samstag komplett digital abgehalten wird. Es geht auch um das Ende der Ära Angela Merkel, die nach 16 Jahren im Herbst das Amt der Bundeskanzlerin abgeben wird. Nach Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer wird nach 20 Jahren erstmals wieder ein Mann die Partei führen. Das ist aber auch schon alles, was jetzt schon feststeht. Nachdem der Außenseiter Norbert Röttgen in den vergangenen Wochen bei Umfragen gehörig zugelegt hat, ist das Rennen völlig offen. Die Wahl ist auch deshalb so spannend, weil der neue CDU-Bundesvorsitzende wahrscheinlich auch der Kanzlerkandidat der Union und damit der nächste Regierungschef sein könnte. Alle drei Männer kommen aus Nordrhein-Westfalen und alle drei geben sich siegessicher. Neben Röttgen hat auch Armin Laschet als Ministerpräsident des größten Bundeslandes Regierungserfahrung. Merz gilt als Favorit der Parteibasis. Bei einer Urwahl durch die 400.000 Mitglieder würde er gewiss die Nase vorne haben. Aber es wählen die Delegierten, darunter viele Abgeordnete und Funktionäre der Partei, sozusagen das Partei-Establishment, dem Merz unterstellt, dass es ihn als Vorsitzenden verhindern will.
Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass die CDU mit dem neuen Vorsitzenden den Kurs der Mitte von Angela Merkel fortgesetzt. Das eint die Partei und ist gut für unsere Land. Eine Zusammenarbeit mit der AfD darf keine Option sein. Die Linke spielt bundesweit ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Während Laschet und Röttgen auf die Mitte setzen, möchte Merz die Partei vermutlich ein wenig nach rechts rücken. Das wollen auch viele Mitglieder, die Angela Merkel schon seit Jahren vorwerfen, dass sie sich zu sehr an der SPD orientiert und das Profil der CDU deshalb nicht mehr klar genug erkennbar sei. So sieht es übrigens auch Jörg Schmidt, der Plauener CDU-Stadtverbands- und Stadtratsfraktionsvorsitzende. Er ist Parteitagsdelegierter und hat bereits bekanntgegeben, dass er am Samstag Merz unterstützen wird. Wie wenig man das Ergebnis einer solchen Vorstandswahl voraussagen kann, weiß man an in der CDU spätestens seit dem Parteitag im Dezember 2018 in Hamburg. Da galt Merz als Favorit für den Vorsitz. Vor allem wegen seiner grottenschlechten Bewerbungsrede fiel er aber überraschend durch und Annegret Kramp-Karrenbauer wurde zur Parteichefin gewählt. Wilfried Hub