Ich bin der Meinung, dass...

… die Digitalisierung in Deutschland nur sehr schleppend vorankommt. Dabei wollten wir an die Spitze. Unser Land sollte im digitalen Zeitalter Weltmeister werden. Zumindest wurde uns das in den Sonntagsreden der Politiker so versprochen. Doch passiert ist zu wenig. Das fällt uns jetzt bleischwer auf die Füße. Corona bringt es ans Licht: Bei der Digitalisierung sind wir nicht Weltmeister, sondern eher Entwicklungsland. Es klemmt in allen Bereichen. Vor allem in den Schulen und beim sogenannten Homeschooling. Wir haben die Digitalisierung verschlafen und tun auch jetzt in schulfreien Zeiten kaum etwas, den Rückstand aufzuholen. Der Unterrichtsstart nach den Ferien zeigte es. Auch beim digitalen Lernen sind wir (noch) längst nicht auf der Höhe der Zeit: Login-Probleme, gesperrte Konten, überforderte Server. Von Störungen der Lernplattformen wird aus allen Bundesländern berichtet. Das gilt auch für "Lernsax" in Sachsen. Mal ist es Überlastung, weil alle sich gleichzeitig anmelden. Da bricht dann schon mal das System komplett zusammen und es müssen zunächst neue Serverkapazitäten geschaffen werden. Videokonferenzsysteme fallen aus, Seiten werden nur langsam geladen, Nachrichten können nur mit großen Verzögerungen empfangen werden. Wegen unterschiedlicher (privater) Smartphones und Tablets kommt es massenhaft zu Kompatibilitätsproblemen. Distanzlernen ist ein mühsames Geschäft.
Es sind die Versäumnisse der Vergangenheit, die sich erbarmungslos rächen. Online-Unterricht hätte schon seit Jahren möglich gemacht werden müssen, nicht erst jetzt für den Ausnahmezustand in Corona-Zeiten. Anläufe gab es genug, die aber meistens im Sand verliefen. Vor zwei Jahren zog die Bundesregierung das Thema an sich, obwohl Bildung eigentlich Ländersache ist. "Digitalpakt" hieß das Zauberwort. Fünf Milliarden Euro stellte der Bund dafür zur Verfügung. Doch das Geld wurde von den Schulen so gut wie nicht abgerufen. Auch nicht in der Pandemie. Bis Ende 2020 sind von den fünf Milliarden Fördergeld für digitalen Unterricht nur knapp 20 Millionen Euro abgeflossen. Für weitere 242 Millionen Euro sind Projektanträge bewilligt. Eine desaströse Zwischenbilanz. Viele Schulen und Schulträger scheitern bei der Antragstellung an den bürokratischen Hürden. Unter anderem weil der digitale Unterricht nicht gewährleistet werden kann, muss der Lockdown der Schulen und Kitas so kurz wie möglich gehalten werden. Schulschließungen dürfen nur das allerletzte Mittel sein. Für Kinder ist der Kontakt mit Gleichaltrigen enorm wichtig. Die negativen Auswirkungen sind seit dem ersten Lockdown belegt. Psychische und psychosomatische Auffälligkeiten wie Gereiztheit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Niedergeschlagenheit nehmen zu. Schulen sollten mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen wieder geöffnet werden. In Krankenhäusern oder systemrelevanten Betrieben geht das schließlich auch. Wilfried Hub