Ich bin der Meinung, dass...

… Anfangsprobleme beim Impfen zu erwarten waren. Zu wenig Impfdosen, Ärger bei der Terminvergabe, lange Wartezeiten: Dass es aber zwei Wochen nach dem Impfstart und der angeblich so guten Vorbereitung immer noch überall hakt, ist nicht hinnehmbar. Je länger das Chaos anhält, umso schwieriger wird es, das Ziel, nämlich eine "Durchimpfung" der Bevölkerung, zu erreichen. Es liegt nicht an den Impfzentren, die gerne loslegen würden. Und zwar mit mehr als 70 Impfungen am Tag. So viele waren es nämlich am Montag, dem ersten Tag im Regelbetrieb in Eich. Es liegt auch nur bedingt daran, dass im Moment (noch) zu wenig Impfstoff vorhanden ist. Die Organisation ist eine Katastrophe. Auch die Information und die Aufklärung der Menschen ist mangelhaft. In Sachsen gehen nach wie vor viele davon aus, dass sie schon erfahren werden, wann sie dran sind. Das ist aber falsch. Jeder muss sich selbst kümmern. Bei älteren Leuten sollen Verwandte oder Nachbarn helfen. Das muss ein wirklich guter Nachbar sein, der sich den ganzen Tag ans Telefon hängt, um über die Hotline einen Impftermin für die ältere Dame von nebenan auszumachen. Wer sich impfen lassen will, braucht gute Nerven und viel Geduld. Es ist schon frustrierend, wenn man nach dem Telefonmarathon und der endlich erfolgten Registrierung im System die Mitteilung bekommt, dass aufgrund des begrenzt verfügbaren Impfstoffs leider keine Termine möglich sind. In Thüringen war die Impf-Hotline wegen eines Stromausfalls einen ganzen Tag lang nicht erreichbar. Wer hat bei einem solchen Chaos überhaupt noch Lust, sich impfen zu lassen?
Ich kann nicht verstehen, warum es in anderen Bundesländern möglich ist, die Menschen, die an der Reihe sind, schriftlich mit einer Terminangabe zu benachrichtigen, in Sachsen aber nicht. Wenn man eine möglichst hohe Impfquote erreichen will, sollte man es den Leuten so einfach wie möglich machen. Es gibt viele, vor allem betagte Mitbürger, die annehmen, dass sie gar nichts machen müssen. Sie wollen abwarten bis vom Gesundheitsamt oder von wo auch immer Post kommt. Sogar bei uns in der Redaktion haben schon 90-jährige angerufen und nachgefragt, ob wir denn wüssten, ab wann die Benachrichtigungen verschickt werden und von wem sie zum Termin im Impfzentrum abgeholt würden. Von einer professionellen Werbekampagne fürs Impfen kann jedenfalls keine Rede sein. Bei den Leuten kommen zu wenig Informationen an. Alte Menschen sind eben nur schwer übers Internet erreichbar. Meiner Ansicht nach hätte das Impfen von Anfang an anders organisiert werden müssen. Zumindest die Impfstoffe, die einfach gelagert werden können, sollten über die Hausärzte verimpft werden. Dort besteht wegen des Vertrauens der Patienten zum Arzt eine große Impfbereitschaft. Das Serum von Biontech/Pfizer, das stark gekühlt werden muss, könnte von den mobilen Impfteams in den Heimen verabreicht werden. Wilfried Hub