Ich bin der Meinung, dass..

… Landrat Rolf Keil jetzt eine schmerzliche Erfahrung macht, die andere bereits vor ihm machen mussten: Ein hohes öffentliches Amt kann man auf Dauer nicht bekleiden, wenn man die Öffentlichkeit nicht ernst nimmt. Von den Medien mal ganz abgesehen. Anfragen werden oft zu spät und häufig auch nur sehr unkonkret beantwortet. Zu schweigen und die unangenehmen Themen einfach auszusitzen, haben vor ihm schon ganz andere "Kaliber" mit sehr mäßigem Erfolg versucht. Es ist ganz einfach: Keil ist von den Vogtländern gewählt und hat sich denen gegenüber auch zu verantworten. Ob es ihm das passt oder nicht. Doch er sagt nichts. Und tut sich vermutlich selbst leid, dass es wegen seines Corona-Managements von allen Seiten Kritik hagelt. Dass Keil jetzt mit dem Rücken an der Wand steht, ist seine eigene Schuld. Er ist nach wie vor nicht bereit, die Karten offen den Tisch zu legen und zu erläutern, welche Probleme es im Gesundheitsamt tatsächlich gab. Er erzählt Märchen wo Ehrlichkeit und Transparenz gefragt ist. Bei einem solchen Chaos kann keiner mehr wissen, was die Wahrheit und was Lüge ist. Dass vom Landratsamt zum Jahreswechsel falsche Zahlen zu den Corona-Neuinfektionen verbreitet wurden, hat man irgendwann zugegeben. Bis heute wissen wir aber nicht, wie groß der Rückstand tatsächlich war, der von der halben oder vielleicht doch von der ganzen Mannschaft im Gesundheitsamt über die Weihnachtsfeiertage angeblich abgearbeitet wurde.
Für die Bürger die eigentliche Katastrophe liegt im Verlust der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens. Auf beides ist die Behörde, die sich gerne bürgernah gibt, angewiesen. Keiner glaubt dem Landrat und seiner Verwaltung noch irgendetwas, wenn tagelang gelogen wird. Mit falschen Zahlen wurden die Bürger in Sicherheit gewogen. Das ist besonders schlimm, weil es um die Gesundheit der Menschen geht. Wer soll sich da noch beschützt fühlen. Es gibt Parallelen zum Umgang mit Mängeln bei der Abfallentsorgung im Vogtland, die vor nicht allzu zu langer Zeit über Monate heftig diskutiert wurden und bis heute noch nicht restlos aufgeklärt sind. Auch da wurde lange geschwiegen, es gab Unwahrheiten und die Bürger fühlten sich und ihre Anliegen nicht ernst genommen. Schon damals traten Defizite bei Keils Amtsführung sehr deutlich zutage. Der Mann ist seiner großen und wichtigen Aufgabe nicht oder zumindest nicht mehr gewachsen. Vielleicht sollte er wirklich zurücktreten und den Weg für Neuwahlen freimachen. Formal hat der Landrat keinen Vorgesetzten, der ihn entlassen kann. Am Zug ist der Kreistag, wo die gewählten Vertreter der Bürgerschaft Sitz und Stimme haben. Die Abgeordneten dürfen jetzt nicht auch noch schweigen und den Kopf in den Sand stecken. Eine Sondersitzung des Vogtland-Parlaments, in der die Vorgänge aufgeklärt werden, ist das wenigste, was passieren muss. Die Kreisräte sollten Landrat Keil ihr Misstrauen aussprechen. Wilfried Hub