Ich bin der Meinung, dass...

… es bei der Beschaffung von Corona-Impfstoff Versäumnisse gab. Die müssen jetzt schleunigst ausgebügelt werden. Aber es gibt keinen Grund, derart heftig auf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einzuprügeln. Vor allem die SPD schießt mit ihrer Kritik weit übers Ziel hinaus. Spahn hat in der Pandemie bislang einen guten Job gemacht. Dass bei uns (noch) nicht genügend Impfstoff vorhanden ist, um beim Impfen wirklich durchstarten zu können, ist eine Panne bei der Beschaffung, für die aber nicht allein der Gesundheitsminister verantwortlich ist. Wie viel Serum bei welchem Hersteller bestellt wurde, waren vor etlichen Wochen Entscheidungen im sogenannten Corona-Kabinett, in dem auch der Koalitionspartner SPD mitredet und -entscheidet. Dort wurde die von Spahn erarbeitete Impfstrategie diskutiert und beschlossen. Damals wusste noch kleiner, welcher Produzent als erster liefert. Dass die Firmen Biontech und Pfizer die schnellsten sein werden und das Serum so schnell zugelassen wurde, konnte keiner ahnen. Vermutlich war man zu zögerlich und zu vorsichtig, um gleich bei mehreren Herstellern sehr große Mengen zu ordern. Der europäische Weg war jedenfalls richtig, damit auch kleinere Länder bei der Belieferung zum Zug kommen.
Und doch gibt es auch Pannen, die eigentlich unverzeihlich sind. Dass die in Deutschland bereits seit Ende Dezember vorhandenen 1,3 Millionen Impfdosen bislang nur zu einem geringen Teil verimpft wurden, ist nicht nachvollziehbar. Da die Impfzentren längst startklar sind, muss es gravierende Probleme bei der Logistik geben. Man fragt sich, warum es nicht möglich gewesen sein soll, die 1,3 Millionen Impfdosen vollständig aufzubrauchen. Schließlich drängt die Zeit und die Situation ist dramatisch. Insbesondere bei der Impfung der am stärksten gefährdeten alten Menschen müssen wir schneller werden. Hoffen wir, dass es sich bei den Pannen um Anlaufschwierigkeiten bei einer wirklich komplexen Aufgabe handelt und nach und nach immer mehr Impfstoff geliefert wird und immer mehr Menschen geimpft werden. Zum Wahlkampfthema taugt die Diskussion ums Impfen jedenfalls nicht. Angesichts Tausender Corona-Toter ist das Thema für politisches Gezänk nicht geeignet. Die zum Teil unfaire Kritik der SPD an den vergangenen Entscheidungen, die sie im Übrigen selbst mitgetragen hat, hilft nicht weiter. Es muss jetzt vor allem darum gehen, gemeinsam dafür zu sorgen, schnell mehr Impfstoff zu beschaffen. Mir fällt dazu der 100 Jahre alte Slogan der Linken ein: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wilfried Hub