Ich bin der Meinung, dass...

… es höchste Zeit wurde, dass Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer Klartext gesprochen hat. Am Montag informierte er die Medien, dass er nach 21 Jahren Amtszeit bei den OB-Wahlen am 13. Juni definitiv nicht wieder antreten wird. Er hätte die Plauener gerne bei seinem Neujahrsempfang über die Entscheidung informiert. Doch dieses Jahr gibt es keinen. Ankündigungen, dass 21 Jahre genug seien und er nicht mehr kandidieren werde, gab es genügend in den vergangenen Jahren. Übrigens wiederholt auch bei Neujahrsempfängen, bei denen sich besonders viele Plauener um ihn scharten. Doch ließ er sich stets ein Hintertürchen offen, um in letzter Minute vielleicht doch noch seinen Hut wieder in den Ring zu werfen. Besonders spektakulär war seine letzte Ansage im September als er eine erneute Kandidatur davon abhängig machen wollte, welche Bewerber bei der Wahl antreten werden. Das war keine gute Idee, weil er den Eindruck erweckte, er wolle nach Gutsherrenart Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nehmen. Der ungeheuerliche Satz "ich übergebe das Amt gerne in gute Hände ab, wenn es geeignete Bewerber gibt" kam einer Missachtung und Beleidigung der Wähler gleich. Denn sie allein entscheiden mit ihrer Stimmabgabe, welche Kandidaten geeignet sind.
Oberdorfers große Verdienste um die Stadt während seiner langen Amtszeit sind unbestritten. Dennoch fällt die Bilanz gemischt aus. Der "Campus Amtsberg" und damit die Bebauung des Schlossbergs und der Schlossterrassen, die vor allem er vorangetrieben hat, könnten sein wichtigstes Vermächtnis sein. Die für Plauen so wichtige Berufsakademie zog auf dem Schlossberg ein. Das verschaffte ihr neue Expansionsmöglichkeiten. Die Weiterentwicklung der Elsteraue und der Umbau des Rathauses samt Erneuerung der Fassade fielen ebenso in seine Amtszeit wie die Erschließung neuer Industrie- und Gewerbeflächen. Vieles gelang ihm, obwohl einige seiner Vorhaben wohl erst unter dem neuen Stadtoberhaupt realisiert werden können. Zum Beispiel die Dreifeldsporthalle am Lessing-Gymnasium. In der jüngsten Vergangenheit verließ ihn das Glück ein wenig. Beim geplanten Industriegebiet Oberlosa überwarf er sich mit den Bürgern, das Informations- und Dokumentationszentrum für die Friedliche Revolution 1989 (IDZ) an der Melanchthonstraße konnte er politisch nicht durchsetzen. Er unterlag bei der Abstimmung im Stadtrat. Das IDZ soll jetzt am Oberen Graben im ehemaligen Brandschutzamt entstehen. Wilfried Hub