Ich bin der Meinung, dass...

… jetzt genau das passiert, was keiner wollte, was aber so kommen musste. Ein harter Lockdown wird Deutschland stillstehen lassen. Bundesweit wird das ab Mittwoch geschehen, Sachsen wurde bereits am Montag in den Winterschlaf versetzt. Die Zahlen hier sind so unglaublich hoch. Der Freistaat hat sich zum bundesweiten Corona-Hotspot entwickelt. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 300 ist Sachsen Spitze vor Thüringen mit 195 und Bayern mit 188. Und das zehn Tage vor Weihnachten. Ein Fiasko, vor allem für den Handel, der jetzt mehr Umsatz machen würde als sonst irgendwann im Jahr. Nur der Online-Handel freut sich. Doch jetzt gibt es keine Ausnahmen mehr und keine "Extrawurst" für einzelne Gruppen. Die Läden, Schulen und Kitas werden geschlossen, Restaurants, Theater und Museen sind es schon. Es ändert zwar nichts, aber Kritik muss trotzdem erlaubt sein. Wer ist verantwortlich für diesen Schlamassel, wo doch vor einigen Monaten alles noch so gut aussah? Deutschland galt als Musterknabe. Kaum ein Land kam so gut durch die Pandemie. Die Zahl der Neuinfizierten war niedrig, die der an oder mit Corona Verstorbenen vergleichsweise erträglich.
Die Schuldfrage zu beantworten, ist nicht so schwer, da es sich um ein kollektives Versagen handelt. Wer der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten allein die Schuld zuzuweisen möchte, macht es sich zu einfach. Die Bürger waren unvorsichtig und hielten sich nicht an die Maßnahmen und Regeln. Teilweise aus Ermüdung und Erschöpfung, weil die Krise zu lange an den Nerven zehrte, teilweise aus Trotz und Ignoranz, weil die Gefahren der Pandemie nicht ernst genommen wurden. Wir haben nicht kapiert, dass der Lockdown light im November nichts anderes war als die eindringliche Bitte, vernünftig zu sein. Wir wurden unvorsichtig beim Tragen der Masken und beim Abstand halten, bei privaten Feiern wurde über die Stränge geschlagen.


Die Politik hat bei allem viel zu lange gewartet. Sie hätte viel früher erkennen müssen, dass flammende Appelle und Ermahnungen nichts mehr nützen. Vielleicht hätten die Regierungschefs der Länder ein paar Mal öfter auf die Bundeskanzlerin hören sollen, die frühzeitig auf schärfe Maßnahmen pochte. Vor allem hat die Politik nach der ersten Welle zu wenig getan, um auf die zweite Welle besser vorbereitet zu sein. Dilettantisches Krisenmanagement. Der Sommer wurde verschlafen. Weder wurde den Kommunen dabei geholfen, die Gesundheitsämter massiv personell zu verstärken, noch wurde dafür gesorgt, flächendeckend in den Schulen Luftreiniger zu installieren. In Pflegeheimen fehlen bis heute die sicheren FFP2-Masken. Die Festtage werden für viele traurig werden. Vor allem für ältere Menschen, die allein bleiben müssen. Die Politik sollte die Zeit zwischen den Jahren nutzen, um ordentlich vorzubereiten, was nach der zweiten Welle kommt. Hoffentlich nicht die dritte!  Wilfried Hub