Ich bin der Meinung, dass

… das Tragen eines Doktortitels meistens positiv wirkt. Frau oder Herr Doktor wird in der Regel mit Hochachtung und Wertschätzung begegnet. Es ist zwar nicht mehr ganz so wie früher, aber der Zusatz zum Namen hat auch heutzutage einen gewissen anerkennenden Effekt. Und er kann Karrieren befördern. Aber auch beenden, wenn Plagiatsvorwürfe im Raum stehen, die nicht entkräftet werden können. Die Liste der Amtsträger a.D. wird immer länger. Der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Gutenberg gehört seit 2011 dazu und auch die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Sie trat 2013  wegen Plagiatsvorwürfen zurück. Okay, beide rutschten deshalb nicht in die Armut ab. Der Freiherr ist heute erfolgreicher Unternehmensberater, Annette Schavan befindet sich mittlerweile im Ruhestand und war von 2014 bis 2018 deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom. Auch nicht der schlechteste Job.
Seit einiger Zeit steht auch die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey unter Plagiatsverdacht. Die Hoffnungsträgerin der Berliner SPD soll einige Passagen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben. Die Freie Universität Berlin (FU) hat angekündigt, die Arbeit und den dafür verliehenen Titel erneut zu prüfen. Die Ministerin kündigte daraufhin an, auf das Führen ihres Doktortitels künftig zu  verzichten. Doch da macht sie es sich zu einfach. Sie hofft, damit aus dem Schneider zu sein. Ist sie aber nicht. Der freiwillige Verzicht ändert eigentlich kaum etwas. Es geht nicht nur um ihren Doktortitel, sondern vor allem darum, ob sie geschummelt hat oder nicht. Das muss geklärt werden. Hat sie tatsächlich betrogen, bleibt ihr nur der Rücktritt. Auf dem Spiel steht nämlich nicht allein die Zukunft von Ministerin Giffey, sondern auch die Integrität unseres Wissenschaftssystems. Wilfried Hub