Ich bin der Meinung, dass...

… die AfD auch mit ihrer neuen Strategie, die Gegner der Corona-Maßnahmen für sich zu gewinnen, vermutlich nicht punkten wird. Die rechtspopulistische Partei befindet sich derzeit im Umfragetief und hofft, mit Corona ein neues Gewinnerthema gefunden zu haben, mit dem sie neue Wählerschichten für sich gewinnen kann. Die Themen, mit denen die Partei in der Vergangenheit einen gewissen Erfolg erzielen konnte, verlieren zunehmend an Brisanz. Die Flüchtlingszahlen sinken kontinuierlich, und auch das Spielen mit der Angst vor dem Islam scheint keine neuen Wähler mehr zu überzeugen. Als Leugner des menschengemachten Klimawandels waren die gewünschten bürgerlichen Wähler ebenfalls nicht zu gewinnen. Jetzt gibt es ein von der AfD-Bundestagfraktion erarbeitetes internes Papier für eine Corona-Kommunikationsoffensive, mit dem die Partei aber weit über ihr Ziel hinausschießt. Sie nimmt sich ausgerechnet den ausgewiesenen AfD-Hasser Herbert Grönemeyer zum Vorbild und lobt ihn für seine Unterstützung der Demonstrationen der Veranstaltungsbranche. Auch Jan-Josef Liefers, der sich kritisch zu den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie äußerte, wird positiv erwähnt.


Doch wenn Corona helfen soll, müsste erst die Vielstimmigkeit in der AfD-Bundestagsfraktion überwunden werden, fordern die Parteistrategen. In der Partei sind sich (wie üblich) längst nicht alle einig: Das geht von den wenigen, die selbst große Angst davor haben, sich anzustecken, bis hin zu denen, die Corona für eine leichte Grippe halten. Während die Fraktion gegen die Maskenpflicht im Bundestag klagen will, hält die Mehrheit der eigenen Anhänger laut Umfragen diese Pflicht für angemessen. Auch die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag hat das Thema Corona der neuen Strategie folgend für sich entdeckt. Sie will die neue sächsische Corona-Schutzverordnung vom Verfassungsgericht des Freistaates überprüfen lassen. So sei die Maskenpflicht ein "starker Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit", sagt Partei- und Fraktionschef Jörg Urban. Die Parteistrategen fordern die Mitglieder auf, sich künftig in ihrer Kritik an der Pandemie-Politik auf einige wenige Botschaften beschränken: klar im Ton, aber nicht zu radikal - mit der Hoffnung, in den Milieus zu punkten, die der AfD bisher skeptisch gegenüberstanden. Wilfried Hub