Ich bin der Meinung, dass...

… über das Thema Schule in den zurückliegenden Monaten nicht so lösungsorientiert diskutiert wurde, wie es vermutlich nötig gewesen wäre. Es wurde wohl nicht daran gedacht, dass nach jedem Sommer auch wieder Herbst und Winter kommen. Damals ging es noch um die Abstandsregeln und das Tragen von Alltagsmasken. Auf beides wollte man möglichst verzichten, zumindest im Unterricht. Festlegen sollten das die Schulleiter. Und natürlich gab es den fast schon legendären Spruch der Politik: Wir sind gut vorbereitet! Pustekuchen. Von einem Regelbetrieb in den Schulen sind wir sehr weit entfernt, obwohl die Abstände überall eingehalten werden und sogar das Tragen von Masken zum Teil umgesetzt ist. Die Lehrer- und Elternverbände sahen das damals kritisch. Das befürchte Chaos blieb aber aus, was allein der Disziplin der Kinder zu verdanken ist. Vom Lüften sprach damals noch kaum jemand. Das war auch nicht nötig, da immer Sommer ohnehin meistens die Fenster offen sind. Mich ärgert, dass die warmen Monate nicht genutzt wurden, um Vorbereitungen für die kalten zu treffen. Jetzt kam wieder alles so plötzlich. Die Forderung, die Kinder sollten sich warm anziehen, damit regelmäßig gelüftet werden kann, ist ein Vorschlag, auf den vermutlich jeder kommen kann. Doch er ist meilenweit von einem Konzept entfernt.


Im Moment ist das Wetter noch relativ mild. Im Winter bei Minusgraden wird Schule vermutlich in Wintermantel, Schal und Handschuhen stattfinden. Das wäre für Kinder und Lehrer eine Zumutung. Es läuft alles darauf hinaus, dass wieder auf Fernunterricht umgestellt wird und Eltern wieder zu Lehrern werden. Die Alternative, in Turnhallen und Aulen zu unterrichten, wird kaum genutzt. In großen Räumen kann der Abstand gut eingehalten und damit das Infektionsrisiko minimiert werden. Überall beginnen die Herbstferien, in Sachsen am Montag. Also noch mal zwei Wochen Zeit für neue Konzepte. Hätten die Verantwortlichen im Sommer nur in halb so viel Zeit darauf verwendet, über die Schulen nachzudenken wie über die Möglichkeiten, Weihnachtsmärkte abzuhalten, hätte uns die kalte Jahreszeit vermutlich nicht so kalt erwischt. Die Schulen dürfen nicht erneut geschlossen werden. Unsere Kinder müssen so geordnet wie möglich unterrichtet werden, auch um Folgeprobleme bei der körperlichen und psychischen Entwicklung zu verhindern. Aber wir dürfen uns auch nichts vormachen: Ideale Unterrichtsbedingungen wird es noch lange nicht geben. Schülern und Lehrern wird sehr viel abverlangt.

Wilfried Hub