Ich bin der Meinung, dass...

… die Corona-Situation ziemlich ernst ist. Aber nicht unbedingt wegen der wieder höheren Anzahl der angeblichen Neuinfektionen. Die Botschaft, mit der in vielen Nachrichtensendungen jetzt wieder Angst und Schrecken verbreitet wird, kann man so nicht stehen lassen. Bei der Zahl 6300 handelt es sich um die höchste Anzahl an positiven Testergebnissen. Das ist etwas ganz anderes als die höchste Zahl der Neuinfektionen.

 

Diese Unterscheidung ist wichtig für die Einschätzung des Zustandes. Eine Präzisierung würde sicherlich auch der Verunsicherung der Menschen entgegenwirken. Dennoch ist die Situation besorgniserregend. Das ist sie vor allem deshalb, weil sie durch Ungewissheit bestimmt ist. Unsere Politiker geben im Moment kein besonders gutes Bild ab. Am Ende der stundenlangen Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Länderchefs war man sich fast nur in der Einschätzung des Ernstes der Lage einig. Die Ergebnisse dieses vorab schon historisch genannten Gipfels lassen sich leicht zusammenfassen: Weniger Personen bei privaten Feiern, erweiterte Maskenpflicht, Sperrstunde ab 23 Uhr.
Die mit Spannung erwartete Entscheidung zum Beherbergungsverbot blieb aus. Es konnte kein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Der war auch nicht zu erwarten, nachdem mehrere Landeschefs schon seit Tagen öffentlich aufeinander einschlagen. Nach den Herbstferien soll am 8. November ein neuer Einigungsversuch gestartet werden. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt werden auch weiterhin nach eigenen Regeln Auflagen für Reisende aus Risikogebieten formulieren. Im Klartext: Ohne negative Tests dürfen Gäste dort nicht übernachten.

 

Da nur in wenigen Punkten Einigkeit erzielt werden könnte und die Kanzlerin sichtbar unzufrieden war mit den Beschlüssen, blieb es am Ende bei den üblichen Appellen. Angela Merkel rief dazu auf, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Die Verantwortung wurde an die Bürger zurückgegeben. Kanzleramtsminister Helge Braun ("Wir müssen mehr machen und vorsichtiger sein als das, was die Ministerpräsidenten beschlossen haben") sagte am Morgen danach, am Anfang einer sehr großen zweiten Welle hätten es die Bürger selbst in der Hand, den Infektionsverlauf aufzuhalten. Der Appell an die Eigenverantwortung der Leute ist vielleicht gar nicht die schlechteste Lösung. Jedenfalls besser als die ständigen (untauglichen) Versuche, alles regeln und vereinheitlichen zu wollen. Wilfried Hub
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