Ich bin der Meinung, dass...

… es Themen gibt, bei denen kann man nur verlieren, wenn man sich mit ihnen beschäftigt. Versuchen wir es trotzdem. Die Rede ist von der geschlechtergerechten Sprache, die mitunter Blüten treibt, die unsere Sprache zunehmend verballhornt und lächerliche Sprachgebilde entstehen lässt. An die Verwendung beider Formen wie etwa bei Bürgerinnen und Bürger oder Schülerinnen und Schüler oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich mich längst gewöhnt. Das verlängert zwar die Texte und klingt manchmal etwas nervig und umständlich. Aber damit kann man, pardon können Frau und Mann, gut leben. Lächerlich finde ich den gesprochenen Gendergap. Wer regelmäßig ARD und ZDF schaut, dem dürfte es aufgefallen sein: Immer häufiger verwenden Moderatorinnen und Moderatoren in ihren Beiträgen den gesprochenen Genderap mit Pausen. Gemeint ist das große Binnen-I oder die Lücke, etwa in Wörtern wie "Ärzt*innen" oder "Journalist*innen", die alle Geschlechter mit einbeziehen sollen. Da gibt es dann auch einen Bund der Steuerzahler*innen. Manchen gelingt das wie etwa Anne Will, manche haben wie Claus Kleber noch Reserven. Ungelogen, aber beim ersten Hören vermutete ich einen Sprachfehler. Kopfschütteln verursachen Sprachgebilde wie Studierende (anstatt Studenten) oder Radfahrende (anstatt Radfahrer) oder Demonstrierende (anstatt Demonstranten).
In letzter Konsequenz lässt sich eine geschlechterneutrale Sprache gar nicht durchhalten. Ein Bürgermeister müsste sich danach korrekterweise "Bürgerinnen- und Bürgermeister" nennen oder - noch besser - "Bürger*innenmeister*in". Die Frage ist, ob sie oder er auch ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt braucht. Warum fehlt im Duden das Wort "Christ*innentum" - da er doch die Christin vom Christen unterscheidet? Den Vogel abgeschossen hat jetzt aber Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Sie hat einen Gesetzentwurf zum Sanierungs- und Insolvenzrecht komplett in der weiblichen Begriffsform formuliert. Statt wie üblich in der männlichen Form etwa "Geschäftsführer", "Verbraucher" oder "Schuldner" zu schreiben, heißt es da "Geschäftsführerin", "Verbraucherin" und "Schuldnerin". Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lehnte das Gesetz bereits ab, da es "höchstwahrscheinlich verfassungswidrig" sei. Ein Gesetz, in dem nur weibliche Sprachformen verwendet werden, gelte rein formal auch nur für Frauen. Fazit: Ein wenig geschlechtergerechte Sprache können wir schon aushalten. Aber bitte keinen Gender-Unfug.Wilfried Hub