Ich bin der Meinung, dass...

… Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) am Mittwochabend im wichtigen Verwaltungsausschuss des Stadtrates endlich für ein Weiterkommen beim aktuellen Plauener Streitthema sorgte. Er nutze die kurzfristige Abwesenheit von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, der zur Gedenkstunde an die Lutherkirche eilte, und ließ über den Standort für das geplante Informations- und Dokumentationszentrum zur Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 (IDZ) abstimmen. Damit ist die Frage, ob das IDZ in einem eher kleinen Traditionsraum bei einer neuen Tourist-Information an der Melanchthonstraße untergebracht wird oder deutlich größer im ehemaligen Brandschutzamt an der Nobelstraße, zwar noch nicht entschieden. Doch die Abstimmung im Ausschuss ist schon ein sehr deutlicher Hinweis darauf, wie die Entscheidung am 20. Oktober im Stadtrat ausfallen könnte. Der Ausschuss entschied sich defacto für die museale Lösung im Brandschutzamt. Fünf Ausschussmitglieder stimmten gegen den Standort Melanchthonstraße, ein Mitglied war dafür und zwei enthielten sich. Der OB, er ist für die Melanchthonstraße, vermied es in den bisherigen Fachausschüssen, in denen er zumindest bei diesem Thema stets die Sitzungen leitete, tunlichst über den Standort abstimmen zu lassen und damit eine Empfehlung für den Stadtrat abzugeben.


Steffen Zenner, er ist gegen die Melanchthonstraße, ist ein kluger Coup gelungen. Als Beigeordneter und Bürgermeister gehört schon eine gehörige Portion Zivilcourage dazu, sich öffentlich gegen die Meinung des Oberbürgermeisters zu stellen und dessen Abwesenheit auf diese Weise zu nutzen. Handelte hier vielleicht schon das künftige Stadtoberhaupt? Zenner, der am 17. Oktober mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Plauener CDU zum OB-Kandidaten gekürt wird, hat beste Chancen, von den Plauener Bürgern im Juni 2021 zum Oberbürgermeister gewählt zu werden. Oberdorfer indes rudert beim Thema IDZ bereits zurück. In seinen aktuellen Statements ist vom Standort Melanchthonstraße keine Rede mehr. Bei der Gedenkstunde an der Lutherkirche am Mittwochabend meinte er, wichtiger als das "wo" sei, dass das Zentrum überhaupt entstehe. "Das sollte uns einen", sagte der OB versöhnlich und machte damit deutlich, dass er wohl auch mit einem anderen Standort leben kann. Doch er hinterlässt verbrannte Erde. Dem Verein "Vogtland 89" stößt er vor den Kopf. Der Verein hatte bislang mit ihm gemeinsam für den IDZ-Standort Melanchthonstraße gekämpft. Wilfried Hub