Ich bin der Meinung, dass...

… die Forderung der Jungen Union (JU), auf die Rentenerhöhung im nächsten Jahr zu verzichten, nicht der richtige Weg ist, um zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu kommen. Der JU-Vorsitzende Tillmann Kuban kritisiert Sozialminister Hubertus Heil, der die Renten 2021 erhöhen will, obwohl das eigentlich nicht vorgesehen wäre, weil die Löhne wegen der Corona-Krise sinken. Im Generationenvertrag ist über den sogenannten Nachholfaktor in der Rentenformel geregelt, dass die Renten der Lohnentwicklung angepasst werden. Steigen die Löhne, steigt auch die Rente. Umgekehrt bedeuten geringe Löhne auch kleinere Ruhegehälter. Um die Rentner aber nicht zu Verlierern der Pandemie zu machen, hat Heil ihnen auch im kommenden Jahr mehr Geld zugesichert. Das ist richtig und gut so. Der Sozialminister, der dafür den Nachholfaktor aussetzen will, sieht darin auch eine Anerkennung der Lebensleistung der älteren Menschen. Der Bundeshaushalt sieht einen Zuschuss zur Rentenversicherung von mehr als 100 Milliarden Euro vor. Die teure Ausnahme für Rentner hat für den JU-Vorsitzenden mit Solidarität nichts mehr zu tun. Sie gehe zulasten der jungen Generationen, denen ein völlig überfordertes Rentensystem vererbt werde.


Insgesamt ein sehr schwieriges Thema, denn die Kritik der Jungen Union ist durchaus berechtigt. Unabhängig von Rentenformeln und Nachholfaktoren tut die Bundesregierung gerade in der Corona-Krise viel zu wenig für die jungen Menschen. Die Rekordschulden der Corona-Krise müssen sie später ohnehin bezahlen. Zuerst gab es gar keine, dann sehr bescheidene Hilfen für Studenten, die zum Beispiel ihren Minijob verloren haben. Viele junge Leute konnten ihre Lehre nicht beenden, andere konnten das geplante Studium nicht beginnen. In der derzeitigen Situation haben Berufseinsteiger kaum eine Chance, Arbeit zu bekommen. Dazu kommen die finanziellen Probleme, die Jung-Unternehmer und Solo-Selbstständige derzeit haben. Damit auch die junge Generation nicht zum Verlierer der Krise wird, sollten die Regierungen im Bund und in den Ländern vor allem diese gravierenden Probleme lösen. Eine Nullrunde für Rentner hilft da eher wenig. Es ist nicht der richtige Weg, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Und für den beginnenden Wahlkampf taugt das Thema gleich gar nicht. Wilfried Hub