Ich bin der Meinung, dass..

… der 9. November, der Tag des Mauerfalls, eigentlich der bessere Feiertag der Deutschen wäre. Am  3. Oktober, der von der Politik vor 30 Jahren zum offiziellen Nationalfeiertag erklärt wurde, können wir lediglich den formalen Akt der Wiedervereinigung würdigen. Der Tag hat keinen historischen Hintergrund wie das in anderen Ländern meist der Fall ist. Für die Menschen, vor allem im Osten, hat der Tag der Deutschen Einheit als Tag deshalb auch keine so große Bedeutung. In diesem Jahr mag das wohl etwas anders sein, weil es ein runder Jahrestag ist. Da der 3. Oktober in diesem Jahr ein Samstag ist, können wir uns nicht mal freuen, dass wir an diesem Tag nicht arbeiten müssen. Möglicherweise kam der 9. November auch deshalb nicht in Frage, weil er historisch negativ belastet ist. Vielleicht glaubte man, am Termin der Reichspogromnacht 1938 könnte man den Nationalfeiertag nicht unbefangen begehen. Darüber hätte man sich aber hinwegsetzen und doch am historischen Tag der Maueröffnung feiern können. Die deutsche Geschichte ist nun mal nicht immer einfach. Die Franzosen feiern an ihrem Nationalfeiertag am 14. Juli den Beginn der Französischen Revolution 1789. Die Amerikaner zelebrieren am 4. Juli ihren Unabhängigkeitstag und erinnern an die Loslösung der damals 13 Kolonien vom "Mutterland" England im Jahre 1776.
Und bei uns? Wir gedenken am 3. Oktober "dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland". So wird es in den Geschichtsbüchern stehen. Ob die Menschen in Ostdeutschland, denen wir die Friedliche Revolution und die Einheit Deutschlands zu verdanken haben, mit diesem "Beitritt" einverstanden waren, spielte damals keine Rolle. Gefragt hat sie keiner. Die Westdeutschen übrigens auch nicht. Es wurde einfach so gemacht, weil Bundeskanzler Helmut Kohl und andere westdeutsche Politiker es so wollten. Die damals selbstherrliche Vorgehensweise ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Spaltung Deutschlands auch 30 Jahre nach der Einheit noch immer nicht überwunden ist. Die nach wie vor unterschiedlichen Lebensverhältnisse sind allerdings der bedeutsamere Grund. Mich stört, dass die Wiedervereinigung 1990 nicht auf Augenhöhe verhandelt wurde. Das hätte man auch anders machen und etwas Neues entstehen lassen können. Um dies zu verhandeln, wollte oder konnte man sich damals nicht die Zeit nehmen. Deshalb ist für viele Ostdeutsche der 3. Oktober kein Tag, um ausgelassen zu jubeln. Das ist eben der Tag des Mauerfalls am 9. November. Wilfried Hub