Ich bin der Meinung, dass...

… es schon sehr chaotisch und erschreckend ist, was sich da gerade in den USA abspielt. Der mächtigste Mann der Welt und der, der es werden will, gingen in einem TV-Duell vor rund 100 Millionen Zuschauern aufeinander los wie zwei Kesselflicker. Die wüsten und beleidigenden Wortgefechte fünf Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA zwischen Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden kann man nur schwerlich noch eine Diskussion nennen. Da platzte Biden schon mal der Kragen: "Halten Sie doch einfach mal eine Minute lang die Klappe!" Der Demokrat schimpfte Trump unter anderem einen "Clown", "Lügner" und den "schlechtesten Präsidenten, den Amerika je hatte". Trump habe das Land tief gespalten und in eine Rezession gestürzt. Der Präsident nannte Biden einen Idioten und konterte: "Nichts an Dir ist schlau, Joe." Trump ließ erneut offen, ob er eine Niederlage am 3. November ohne weiteres hinnehmen werde, und warnte vor massivem Wahlbetrug im Zusammenhang mit der Briefwahl. "Das wird ein Betrug sein, wie Sie ihn noch nie gesehen haben." Beide Kandidaten wirkten wenig präsidentiell. Und der Lage des Landes nicht angemessen. Die 90-minütige Debatte war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen.
Die Frage stellt sicht, ob derart aggressive und unwürdige Debatten auch bei uns möglich sind. Ich fürchte ja. Mit dem Eintreten der AfD in die deutsche Politik und deren Einzug in die Parlamente, ist der Ton deutlich rauer geworden. Selbst im Bundestag sind heftige persönliche Beleidigungen an der Tagesordnung. Was früher die Ausnahme war, ist heute fast schon Standard. Manchmal ist der Bundestagspräsident kaum noch in der Lage, im Hohen Haus für Ordnung zu sorgen. Da wird Angela Merkel als "Stasi- und Schnüffelkanzlerin" beleidigt und SPD-Abgeordnete werden als "rote Terroristen" bezeichnet. Einen Ordnungsruf kassierte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in einer Debatte über Flüchtlingspolitik für ihre Aussage "Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse". Unerträglich sind die rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Äußerungen. Manches ist selbst den eigenen Mitgliedern zu krass. In der jüngsten Vergangenheit verließen mehrere Prominente AfD-Politiker die Partei. Vor einigen Tagen trat der letzte der drei Gründungsvorsitzenden der AfD, Konrad Adam, aus. Der Publizist begründete den Schritt mit dem Einfluss des Rechtsaußen-Flügels. Wilfried Hub