Ich bin der Meinung, dass...

… sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll ähnlich verhält wie US-Präsident Donald Trump, der regelmäßig leugnet, was ihm politisch nicht in den Kram passt. Da Trump glaubt, auf jedem Gebiet Experte zu sein, bestreitet er auch gerne mal wissenschaftliche Erkenntnisse und nennt sie Fake-News. Kaum war das Gutachten der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vorgestellt, wurde es von der bayerischen Regierung auch schon ablehnt. Der "Zwischenbericht" weist 90 Gebiete in Deutschland aus, die nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen haben. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen, wo der Atommüll momentan lagert, ist wegen geologischer Mängel nicht darunter, dafür aber mehrere Gebiete in Bayern. Söder zweifelt den Suchprozess an und pocht darauf, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet ist. Die Herausnahme Gorlebens bei der Suche sei nicht hinnehmbar, da die Entscheidung nicht rein wissenschaftlich erfolgt sei, sondern aus politischen Gründen. Dem Sankt-Florians-Prinzip folgend will sich Bayern aus der Suche nach einem geeigneten Ort ganz herausnehmen. Das ist eine Vorgehensweise, die schon sehr an Verhaltensmuster von Trump erinnert. Dabei steht die Suche noch ganz am Anfang.
Ausgehend von einer "weißen Landkarte", auf der zunächst jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. Dennoch dürfte die Debatte in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden. Laut BGE soll das Endlager unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. Am Ende soll die Politik die Entscheidung über den Standort treffen - basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen. 2031 soll der Ort gefunden sein, ab 2050 soll der strahlende Abfall unterirdisch eingelagert werden und für eine Million Jahre sicher sein. Konkreter wird es erst in den nächsten Jahren. Es werden sogenannte Standortregionen ausgewählt, die genau erforscht werden. Doch obwohl noch überhaupt nichts entschieden ist, heizt Söder die beginnende Debatte gehörig an. Mit Gorleben in Niedersachsen gebe es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager, sagen die Bayern und ignorieren damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wilfried Hub