Ich bin der Meinung, dass...

… Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Moment keine gute Zeit hat. Für die steigenden Corona-Fallzahlen kann man ihn zwar nicht verantwortlich machen. Daran sind eher die unvernünftigen Leute schuld, die meinen, sie müssten sich an keine Regeln und Vorschriften halten und trotz Warnungen sogar in Risikogebieten Partys veranstalten. Doch Spahns wichtige Corona-Projekte erweisen sich zunehmend als Rohrkrepierer. Die Corona-Warn-App, vom Minister bereits als Erfolgsgeschichte gepriesen, zeigt kaum Wirkung. Zwar haben bisher mehr als 18 Millionen Nutzer die App auf ihr Smartphone heruntergeladen, was außerordentlich viel ist, aber nur rund 5000 Nutzer haben bislang ihre Kontakte über ein positives Testergebnis informiert. Die App, die als wichtiges Instrument zur Unterstützung der Arbeit der Gesundheitsämter gedacht war, ist ein Flop. Mit über 30 Millionen Euro Herstellungs- und Betreibungskosten leider auch noch ein sehr teurer. Ärzte sehen kaum Nutzen für die Pandemie-Bekämpfung. Die App spiele in der täglichen Arbeit der Gesundheitsämter "so gut wie keine Rolle", sagt Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Auch mit seinem Vorschlag, verpflichtend Covid-19-Immunitätsausweise einzuführen, ist Spahn gescheitert. Der Wunsch nach einem solchen Pass löste in Deutschland eine heftige Debatte aus und wurde mehrfach im Bundestag diskutiert. Spahn rief den Ethikrat an, von dem er sich Unterstützung erhoffte. Doch das 24-köpfige Gremium lehnte die Einführung solcher Bescheinigungen ab. Meiner Ansicht nach völlig zurecht. Es lässt sich zumindest bis jetzt nicht verlässlich nachweisen, dass und wie lange eine an Corona erkrankte und wieder genesene Person immun ist. Die Expertinnen und Experten des Ethikrates argumentieren "im Zweifel zugunsten der individuellen Freiheit". Sie finden, dass Menschen die Chance bekommen müssen, ihre Grundrechte uneingeschränkt wahrnehmen zu können. Die Immunitätspässe sind weder sinnvoll, noch ethisch vertretbar, fair und sicher umsetzbar. Vielleicht sollte Spahn künftig zuerst die Experten befragen, bevor er in die Öffentlichkeit geht und die Menschen mit seinen unausgegorenen Ideen irritiert und heftige Debatten auslöst. Wilfried Hub