Ich bin der Meinung, dass...

… das Ende des Fahrzeugbauers MAN Plauen einmal mehr beweist, dass man den Bossen der Konzerne nichts glauben darf. Die Lüge gehört zum Geschäft. Weltweit will MAN 9500 Stellen streichen. Der Standort Plauen fällt konzerninternen "Umbauplänen" zum Opfer. Bei einem Besuch des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig im Juli war noch alles in Ordnung. Da wurde von einer "guten Entwicklung des Standortes Plauen" gesprochen. Von besten Zukunftsperspektiven für den Busumbauer war die Rede. Zwei Monate später begründet der Konzern die Einschnitte mit einer "ohnehin angespannten Ertragslage", die sich durch die Coronakrise verschärft habe. So ein Bullshit. Corona gab es auch schon im Juli. Die drohende Schließung belegt, dass es für Firmen im Osten gar keine Rolle spielt wie gut sie arbeiten, ob sie rentabel sind oder nicht. Immerhin schrieb man in Plauen schwarze Zahlen. Funktionierende Werke werden eiskalt ausgelöscht. Oft zugunsten von Betrieben im Westen. Das ist bitter für die Mitarbeiter, aber auch für die Region. Plauen hat eine 100-jährige Tradition im Busbau. Los ging es 1919 durch die Vogtländische Maschinenfabrik AG (VOMAG). Später folgte die Marke Neoplan und nach deren Schließung 2015 übernahm MAN die Führung.


Mittlerweile haben sich alle, die in der Politik etwas zu sagen, zum Standort Plauen bekannt und MAN aufgefordert, das Werk zu erhalten: Oberbürgermeister, Landrat, Stadt- und Kreisräte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Auch die Gewerkschaft IG Metall war sofort nach der Hiobsbotschaft aus München zur Stelle und lud zum spontanen Protest vor das Plauener Werkstor ein. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer will sich für den Erhalt des MAN-Standorts einsetzen. Hier sei "das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte er am Dienstag in Neumark. Doch auch er hat keinen Einfluss auf die Entscheidungen der MAN-Geschäftsführung. Es bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass die Entscheidung zur Schließung des Plauener Standorts wieder zurückgenommen wird. Dann muss es vor allem darum gehen, für die 150 Mitarbeiter eine sozialverträgliche Lösung zu finden. Hoffen wir, dass MAN wenigstens dabei nicht mauert, sondern ohne Streiks und wochenlange Verhandlungen eine faire und großzügige Lösung anbietet. Vor fünf Jahren hieß es schließlich, dass es bis 2030 keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Aber was ist eine solche Ankündigung schon wert? Siehe oben. Wilfried Hub