Ich bin der Meinung, dass...

… es bei der Erich-Ohser-Stiftung hinter den Kulissen gehörig brodelt. Nachdem die frühere Vorstandschefin Dr. Elke Schulze zum Jahresende gekündigt hatte, wurde deren Nachfolgerin Delia Viola Kottmann, die seit 1. Juli im Amt ist, noch vor dem Ende der Probezeit gekündigt. Das entschied der Stiftungsrat am Samstag. Schulze war nach Querelen auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Jetzt wurde die hochqualifizierte Wissenschaftlerin Kottmann, die von einer hochkarätig besetzten Jury zuvor ausgewählt worden war, wieder weggeschickt. Merkwürdig, dass ausgerechnet der Stiftungsratsvorsitzende, Professor Dr. Lutz Kowalzick gegen die Kündigung stimmte. Beide Personalien belegen, dass hier einiges im Argen scheint. Um das Werk Ohsers und das Image der Ohser-Stadt Plauen nicht zu beschädigen, muss der Streit schnellstens beigelegt werden, damit endlich wieder Frieden in die Gremien einziehen kann.
Um das Erbe des bekannten Karikaturisten kümmern sich neben der Stadt zwei Organisationen. Zum einen die Erich Ohser - e.o.plauen-Stiftung, die auch Werke ankauft und die Galerie führt. Im Stiftungsrat haben neben Stadträten und einigen Bürgern auch Mitglieder der in den USA lebenden Ohser-Familie Stimmrecht. Vorsitzender des Stiftungsrates ist Professor Kowalzick. Daneben gibt es die e.o.plauen-Gesellschaft, die die Arbeit der Stiftung im Erich-Ohser-Haus unterstützt und zusammen mit der Stadt die e.o.plauen-Preise vergibt. Der nächste wird am Samstag an den Karikaturisten Michael Slowa verliehen. Vorsitzender der Gesellschaft ist Dr. Karl Gerhard Schmidt, der langjährige Vorstandschef der Schmidt-Bank, die 2001 unterging. Er ist der mächtige Mann für alles, was in Plauen mit Erich Ohser zu tun hat. Er war bis vor einigen Jahren Vorsitzender des Stiftungsrates bis er aus Altersgründen ausschied. Der 85-Jährige hält im Aufsichtsrat aber noch die beiden Stimmen, die ihm stets von der Ohser-Familie übertragen werden.
Es kursiert ein böses Gerücht, dass Schmidt jetzt wieder die frühere Vorstandschefin Schulze zurückholen will. Manche vermuten sogar ein abgekartetes Spiel. Schmidt und Schulze pflegten eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Da Schulze angeblich wegen des Verhaltens des Vorsitzenden des Stiftungsrates, Lutz Kowalzick, gekündigt haben soll, wurde dieser vor kurzem aus der e.o.plauen-Gesellschaft ausgeschlossen. Stiftung und Gesellschaft haben an sich nichts miteinander zu tun. Sie sind natürlich ideell und durch viele gemeinsame Projekte verbunden. Es gibt auch personelle Überschneidungen. Meiner Ansicht nach sollte das Thema e.o.plauen unter der Moderation von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer oder Kulturbürgermeister Steffen Zenner komplett auf neue Beine gestellt werden. Das schließt auch den weitgehenden Austausch des Personals mit ein. Dieses kostbare kulturelle Erbe der Stadt Plauen darf nicht auf dem Altar persönlicher Eitelkeiten geopfert werden. Wilfried Hub