Ich bin der Meinung, dass...

… uns die Bilder aus Moria empören müssen. Nach dem Brand in dem Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos eskaliert die Situation. Flüchtlinge, eingepfercht wie Verbrecher, müssen im Dreck auf den Straßen übernachten. Sie hungern und die medizinische Versorgung ist miserabel. 12.000 Menschen leben unter stetiger Mangelversorgung auf einem Raum, der ursprünglich darauf ausgelegt war, etwa 2800 Migranten unterzubringen. Die Zustände im Camp sind fürchterlich und jetzt wütet auch noch das Coronavirus. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), der das Lager vor zwei Jahren besuchte, spricht von einer "Schande für Europa".

Ja, es sind Europas Flüchtlinge und nicht die Flüchtlinge Griechenlands. Ja, die EU ist in der Pflicht, sich auf eine Lösung für die Flüchtlingskrise zu einigen. Doch so lange kann nicht gewartet werden. Dass parteiübergreifend alle EU-Politiker entsetzt auf den Brand im Flüchtlingslager Moria reagieren, reicht nicht. Eine Einigung in ganz Europa wird vermutlich nicht möglich sein. Aber es kann eine Koalition der Willigen geben, die, wenn es kein anderer macht, von Deutschland angeführt werden muss. Die deutsche Ratspräsidentschaft lässt uns gar keine andere Wahl.

Wenn wir jetzt nicht vorangehen, sondern wie Innenminister Horst Seehofer (CSU) auf die große europäische Lösung warten, wird die Katastrophe von Moria auch zur Schande für Deutschland. Natürlich dürfen wir mit einer humanitären Notmaßnahme keine falschen Hoffnungen wecken. Keiner will, dass sich eine Flüchtlingswelle wie 2015 wiederholt. Doch Menschen in größter Not, die Hilfe zu verweigern, ist unmenschlich. Einige Bundesländer, viele Städte und Landkreise sind bereit, vor allem besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus dem Lager Moria aufzunehmen. Es geht dabei vor allem um die Hilfe für unbegleitete Kinder, Schwangere, allein reisende Frauen oder schwer traumatisierte Menschen. Diese Soforthilfe sollte die Bundesregierung koordinieren und nicht behindern. Eine schnelle europäische Lösung ist trotz aller Bemühungen nicht in Sicht. Deshalb wäre eine humanitäre Geste Deutschlands richtig. Wilfried Hub
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