Ich bin der Meinung, dass...

… es wirklich höchste Zeit ist, die etwa 375 Gesundheitsämter in Deutschland zu unterstützen. Sie werden nicht nur in Coronazeiten dringend gebraucht. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Beginn der Pandemie ist das zwar reichlich spät. Aber sicherlich nicht zu spät. Es fehlt an Personal und die Ausstattung ist sehr veraltet. Es klingt wie ein Witz, aber es ist tatsächlich so, dass in manchen Behörden die Labormeldungen noch per Fax übermittelt werden. Digitalisierung Fehlanzeige. Jetzt hat sich Angela Merkel eingeschaltet. In einer virtuellen Konferenz am Dienstag im Kanzleramt wurden mehr Personal und mehr Geld für eine bessere Ausstattung zugesichert. Die Anforderungen an die kommunalen Gesundheitsämter sind groß: Sie müssen nicht nur die Infektionsketten nachverfolgen, sie müssen die Bevölkerung informieren und die Quarantäne überwachen. Gesundheitsminister Jens Spahn, der den Gesundheitsdienst "das Herzstück der Pandemie-Bekämpfung" nennt, hat mit seinen Kollegen in den Bundesländern einen Pakt geschlossen, der 5000 neue Stellen für Ärzte und Fachpersonal vorsieht. Das klingt gut, geht aber an der Realität im Gesundheitsdienst leider vorbei.
Das Problem wird sein, für die neuen Stellen Fachpersonal zu finden. Bis jetzt sind nicht mal die vorhandenen Stellen besetzt. Warum? Das Gehalt passt nicht. Oder anders ausgedrückt: Die Arbeitsbedingungen sind nicht attraktiv genug für Ärzte. Der Bund-Länder-Pakt sieht zwar vor, dass vier Milliarden Euro über die nächsten sechs Jahre "zielgenau" verteilt werden. Doch wie Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst bezahlt werden, regeln weder der Bund noch die Länder. Es ist allein Sache der Tarifparteien, der kommunalen Arbeitgeber und der Gewerkschaften. Eine direkte Finanzierung kommunaler Ausgaben durch den Bund ist im Grundgesetz nicht vorgesehen. Der milliardenschwere Pakt, den Spahn als größte Investition im Gesundheitsdienst in der Geschichte der Bundesrepublik bezeichnet, soll auch dafür sorgen, dass mit Faxen bald endgültig Schluss ist. Auch die Aussteigekarten, die Reisende aus Risikogebieten bislang von Hand ausfüllen, damit ihre Daten erfasst werden können, sollen, wie in anderen Ländern längst üblich, bald digitalisiert werden. Sehr gut! Warten wir ab, wann das Geld in den Ämtern ankommt. Wilfried Hub