Ich bin der Meinung, dass...

… die neu entfachte Diskussion über einheitliche Corona-Regeln für ganz Deutschland jetzt genauso unsinnig ist wie vor einem halben Jahr. Ich hatte gedacht, unsere Politiker hätten etwas dazu gelernt in den vergangenen Monaten und wüssten mittlerweile, dass auf das regionale Infektionsgeschehen auch mit regionalen Maßnahmen reagiert werden sollte. Die Forderung nach einer einheitlichen Maskenpflicht ist ebenso wenig hilfreich wie gleiche Obergrenzen bei öffentlichen und privaten Feiern in allen Bundesländern. Bundeseinheitliche Lösungen wirken auf den ersten Blick zwar vorteilhaft, allerdings verkennen sie die oft innerhalb Deutschlands sehr unterschiedliche Entwicklung des Infektionsgeschehens. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lehnen deshalb eine Obergrenze ab - dort sind die Infektionszahlen deutlich niedriger als in den südlichen Ländern. Es gibt keinen ernsthaften Grund, im Norden mit den geringsten Infektionen die Bevölkerung genauso einschränken, wie es vielleicht in Bayern nötig ist, wo die Verbreitung des Virus am größten ist.
Ähnlich ist die Situation bei den Masken. Es sollte im Moment nicht darum gehen, die Maskenpflicht weiter zu verschärfen, wie es der bayerische Ministerpräsident Markus Söder für alle fordert. Es sollte erst einmal die bestehende Maskenpflicht durchgesetzt werden, bevor über weitere Maßnahmen entschieden wird. Schließlich ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes keine unverbindliche Empfehlung, sondern Pflicht. Vor allem bei Vereinsfesten und bei privaten Feiern, das ist zumindest mein Eindruck, wird das Tragen der Masken immer weniger ernst genommen. Das ist sehr gefährlich. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat festgestellt, dass sich die meisten Menschen im privaten Bereich anstecken. Schulen spielen demnach keine Rolle bei den Infektionen. Auch Restaurants, Hotels oder Büros sind bislang Nebenschauplätze. Ausgewertet hat das RKI die Daten von 55.000 Infizierten, bei denen die Art der Ansteckung ermittelt wurde. Am Donnerstag wollen die Regierungschefs der Länder zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel über weitere Schritte zur Bekämpfung der Pandemie entscheiden. Dabei wird es auch darum gehen, ob zwingend einheitliche Regeln und Strafen nötig sind oder ob auch künftig jedes Bundesland für sich entscheiden kann. Wilfried Hub