Ich bin der Meinung, dass...

… neben FDP-Parteichef Christian Lindner jede Generalsekretärin und jeder Generalsekretär ein wenig schwach und blass wirken muss. Der selbstverliebte Lindner lässt es nicht zu, dass andere neben ihm glänzen. So lange er unangefochten als Partei- und Fraktionschef über allem schwebte, war das kein Problem. Doch so unumstritten, wie es die FDP gerne darstellt, ist er in seiner Partei längst nicht mehr. Spätestens seit dem Debakel rund um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen ist er angeschlagen. Bei den Wahlen in Hamburg flog die FDP das erste Mal seit ihrem geglückten Wiederaufstieg aus einem Länderparlament. Der Kurs der Partei ist nicht mehr klar zu erkennen, die Aufbruchsstimmung der Jahre 2016/2017 mit dem erfolgreichen Wiedereinzug in den Bundestag ist längst verflogen. Der FDP gelingt es nicht mehr, den Zeitgeist zu treffen. In den Umfragen schlägt sich das nieder in Werten von fünf oder sechs Prozent.
Der Rauswurf von Generalsekretärin Linda Teuteberg ist ein Befreiungsschlag, der sich bereits seit Monaten andeutete. Wenn es Lindner schon nicht gelingt, mit Themen in die Schlagzeilen zu kommen, was in Krisenzeiten für eine Oppositionspartei auch eher schwierig ist, will er wenigstens mit neuem Personal punkten. Doch die anfangs hochgelobte Linda Teuteberg wollte kein Bauernopfer sein. Sie kämpfte bis zuletzt heftig, aber letztlich chancenlos um ihren Posten. Mit ihrem Nachfolger Volker Wissing hat der Parteichef Lindner eine gute Wahl getroffen. Er ist Wirtschafts- und Finanzpolitiker, außerdem stellvertretender Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, wo derzeit eine Ampelkoalition regiert. Das könnte auch auf die Pläne der FDP für die Bundestagswahl 2021 hindeuten. Linder möchte, dass er und seine Partei wieder mitregieren. Da wäre eine Koalition mit der SPD und den Grünen eine aussichtsreiche Option. Außerdem könnte die FDP mit Wissing auf die Corona-Pandemie und die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise leichter Antworten finden. Wilfried Hub